Deutsche Sprache – schwere Sprache? Wie du die Grammatik meisterst (nicht nur im Deutschen)

Deutsche Sprache – schwere Sprache_ Wie du die Grammatik meisterst (nicht nur im Deutschen)

Von Jan von Easy Deutsch kam die Aufgabe, Tipps zum Deutschlernen zu geben. Der Aufforderung bin ich natürlich gerne gefolgt und habe mich auf das Thema Grammatik konzentriert.

Und eine kleine Information am Rande: Die gegebenen Tipps funktionieren für andere Sprachen gleichermaßen!

Deutsche Sprache – schwere Sprache?

Wenn du deutscher Muttersprachler bist, kommt es dir vermutlich nicht so vor, aber für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, sind sowohl die Aussprache als auch die Grammatik im Deutschen nicht gerade einfach. Deshalb gibt es sicherlich viele Lerner, die davor zurückschrecken, Deutsch zu lernen – eben weil der Sprache der Ruf vorauseilt, schwierig zu sein.

Ist das aber wirklich so?

 

Unbestritten ist, dass das Deutsche über eine ziemlich komplizierte Grammatikstruktur verfügt. Vielleicht tröstet es Dich ja, dass es Sprachen gibt, die noch wesentlich schwieriger sind als Deutsch!

Auch die Aussprache ist nicht für alle Lerner einfach. Ich habe festgestellt, dass sich speziell Italiener und Spanier schwertun mit unseren vielen Konsonanten – allerdings sind für uns umgekehrt auch die vielen Vokale im Italienischen und Spanischen manchmal nicht ganz einfach!

Ebenso berühmt-berüchtigt ist das Deutsche für die langen Wörter wie Streichholzschachtel oder Donaudampfschifffahrt. Aber ganz ehrlich – wie oft brauchst du solche Wörter im Alltag wirklich?

 

Das Mindset ist wichtig

 

Du kannst solche Schwierigkeiten natürlich auch positiv sehen! Nimm sie doch als Herausforderung an: Wie lange brauchst du, bis du das Wort Streichholzschachtel korrekt aussprechen kannst? Nach wie vielen Wochen hattest du erstmals 10 Sätze hintereinander komplett richtig, was die Satzstellung betrifft? Wann ist dir das erste Mal nicht mehr „der Sonne und die Mond“ herausgerutscht?

Sieh also dein Lernen positiv! Setze dir erreichbare Ziele und schreibe dir deinen Plan, wie du deine Ziele erreichen möchtest. Und kümmere dich nicht nur um die leichten und angenehmen Aufgaben beim Lernen, sondern auch um so „schwierige“ Dinge wie Grammatik. Du wirst merken, so schwierig ist es gar nicht! Um dir die Grammatikarbeit etwas zu erleichtern, habe ich dir nämlich 10 Tipps zusammengestellt.

Wie kannst du deutsche Grammatik lernen und üben?

 

 1) Lerne immer zuerst die grammatikalische Basis

Solltest du also vorhaben, dich auf jede Kleinigkeit des Deutschen zu konzentrieren, dann verwirf diesen Gedanken gleich wieder. Niemand ist in der Lage, alle Grammatikinhalte auf einmal zu lernen, zu behalten und anzuwenden. Konzentriere dich vielmehr auf die Grundgrammatik. Erst wenn diese abgearbeitet ist, dann kommen die komplizierten Themen. Kein Deutschlerner braucht die Regeln der indirekten Rede gleich im ersten Lernjahr.

 2) Fertige Übersetzungen an

Um Grammatikstrukturen effektiv einzuüben, kannst du immer wieder einmal Übersetzungen anfertigen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

 a) Übersetze mündlich. Dabei liest du beispielsweise einen Zeitungsartikel und übersetzt ihn mündlich ins Deutsche. Eine Korrektur ist nicht unbedingt notwendig, denn viele Fehler, die du sicherlich zu Beginn machen wirst, verlieren sich mit der Zeit von selbst.

 b) Übersetze schriftlich. Als Variante – vor allem wenn du mehr Zeit zur Verfügung hast – kannst du auch schriftliche Übersetzungen anfertigen. Dazu ein Tipp: Du kannst auch zuerst einen Text aus deiner Muttersprache ins Deutsche übersetzen, den deutschen Text zwei Tage liegenlassen und anschließend wieder zurückübersetzen. Dann brauchst du nämlich niemanden, der dir deine Übersetzung korrigiert, denn du hast die Originalversion ja vorliegen und kannst selbst vergleichen. Diese Technik ist auch für Schüler sehr geeignet. Schüler nehmen dafür einfach ihre Lektionstexte aus dem Schulbuch – und staunen, wie wenig Zeit sie noch in das Vokabellernen investieren müssen!

 c) Übersetze möglichst wörtlich. Das ist natürlich die aufwändigste Variante. Dabei schulst du aber dein Sprachverständnis, schlägst höchstwahrscheinlich viele Vokabeln im Wörterbuch nach und wälzt auch die eine oder andere Grammatik. Dadurch verbesserst du dich sowohl im Wortschatz als auch in der Grammatik. Für eine wörtliche Übersetzung genügen auch schon ein oder zwei Sätze.

 d) Übersetze relativ frei. Diese Variante ist gut geeignet, wenn du das Umschreiben im Deutschen üben möchtest. Wie kann man ein Wort umschreiben, wenn man die genaue deutsche Übersetzung nicht kennt? Eine solche Art der Übersetzung schult auch die Sprechfähigkeit, da du bei Unterhaltungen nicht die Zeit hast, alles im Wörterbuch nachzuschlagen.

 

 3) Übe die deutschen Zeitformen

Im Deutschen gibt es viele unregelmäßige Verben. Daher ist es unbedingt notwendig, die Zeitformen zu üben. Eine angenehme Möglichkeit bieten Apps für das Smartphone.

 

4) Bilde zusammen mit einem Lernpartner deutsche Sätze

Wenn du einen Partner hast, mit dem du Deutsch lernst, kannst du eine Art „Sprachlaborübung“ durchführen. Bildet eine Reihe von Sätzen immer nach derselben Art. Beispiele sind: Frage – Antwort, Sätze in der Gegenwart – Sätze in der Vergangenheit, bejahte Sätze – verneinte Sätze. Wichtig ist, dass die verwendete Struktur immer gleich ist, damit sich die Strukturen einschleifen.

Hier sind einige Beispiele:

  1. Serie: Possessivbegleiter

Wem gehört das Auto? (Mutter) – Es gehört meiner Mutter.

Wem gehört der Kalender? (Chef) – Er gehört meinem Chef.

Wem gehört die Handtasche? (Freundin) – Sie gehört meiner Freundin.

Wem gehören die Fahrräder? (Nachbarskinder) – Sie gehören meinen Nachbarskindern.

  1. Serie: Frage – Antwort (Verwendung von Pronomen)

Hast du Maria das Buch gegeben? – Ja, ich habe es ihr gegeben.

Hast du Hildegard die Blumen geschenkt? – Ja, ich habe sie ihr geschenkt.

Hast du Manfred die Antwort gegeben? – Ja, ich habe sie ihm gegeben.

Hast du den Kindern die Schultaschen gebracht? – Ja, ich habe sie ihnen gebracht.

 

5) Fokussiere dich manchmal (!!!) beim Lesen von deutschen Texten auf ein bestimmtes Grammatikthema.

Wie werden die Präpositionen verwendet? Wie ist die Satzstellung im deutschen Nebensatz? Welche Pluralformen gibt es? Wann verwendet man „aber“ und wann „sondern“? So entwickelst du im Laufe der Zeit ein Gespür für die Sprache. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Diese Übung sollte nur selten durchgeführt werden. Wenn du Bücher, Blogs oder Zeitungen liest, dann steht normalerweise das Lesen im Vordergrund, nicht die Grammatikanalyse.

 

6) Erweitere kurze deutsche Sätze.

Fange mit ganz einfachen deutschen Sätzen an und erweitere sie immer mehr. So siehst du genau, wie sich ein Satz entwickelt, wenn weitere Satzteile dazukommen. Du kannst auch Sätze umformen, beispielsweise von der Ich- auf die Wir-Form oder von der Gegenwart auf die Vergangenheit und beobachten, was sich alles ändert.

Hier ist ein Beispiel:

Ich esse.

Ich esse Kuchen.

Ich esse ein Stück Kuchen.

Ich esse heute Nachmittag ein Stück Kuchen.

Ich esse heute Nachmittag bei meinen Eltern ein Stück Kuchen …

 

7) Lerne unbedingt im Laufe der Zeit die kleinen Wörter

Häufig straucheln Deutschlerner, weil sie die kleinen Wörter wie „wirklich, doch, eigentlich, ungefähr, nun, da, weil, nachdem, obwohl, als, wenn, noch“ nicht kennen oder nicht wissen, wie sie verwendet werden. Solche kleinen Wörter sind aber essentiell für eine Sprache! Also lerne diese Wörter, schreibe dir Beispielsätze, wende die Wörter immer wieder an. Über verschiedene Internetseiten wie Italki.com oder Busuu.com kannst du dir deine selbstkreierten Beispielsätze übrigens auch durchkorrigieren lassen.

 

8) Analysiere einen Satz nach dem Zufallsprinzip

Nimm also irgendeinen deutschen Satz und schaue, was alles darin enthalten ist. Ein Beispiel: Im Satz „Meine Mutter hat gestern Abend auf dem Markt einen Strauß Tulpen gekauft“ hast du folgende Elemente:

  •  „meine“ ist ein Possessivbegleiter, also machst du zu dieser Wortgruppe andere Beispiele: mein Vater, unser Auto, dein Freund, euer Urlaub, dein Hund, seine Katze
  •  „Mutter“ ist eine Familienangehörige. Dir fallen sicherlich noch weitere ein: Vater, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter, Großvater, Großmutter, Enkel, Enkelin, Onkel, Tante, Cousin, Cousine …
  •  „gestern Abend“ ist eine Zeitangabe. Welche Zeitangaben gibt es noch? Hier eine Auswahl: heute Früh, letzten Montag, vor drei Jahren, letztes Jahr im Dezember, im Jahr 2014, vor zwei Wochen, …
  • „auf dem Markt“ ist eine Ortsangabe. Weitere Beispiele sind: im Restaurant, in der Bank, im Café, im Supermarkt, im Kino, im Theater, im Park, im Fußballstadion, im Garten, auf der Straße, im Einkaufszentrum …
  • „Tulpen“ sind Blumen. Welche Blumen kennst du noch? Vielleicht Rosen, Nelken, Lilien, Gänseblümchen, Margeriten, Osterglocken, Krokusse, …?
  • „kaufen“ ist ein Verb. Hier kannst du das Verb in die verschiedenen Zeiten setzen: ich kaufe, ich kaufte, ich habe gekauft, ich hatte gekauft, ich werde kaufen, ich werde gekauft haben, ich würde kaufen, ich würde gekauft haben …

 

9) Lerne Grammatik immer im Zusammenhang

Die schönste Grammatik wird dir nicht weiterhelfen, wenn du kein Verbindungsthema dazu hast. Also lerne Grammatik immer im Zusammenhang. Bei den Familienangehörigen kannst du die besitzanzeigenden Begleiter mitlernen (meine Mutter, dein Sohn, unsere Großmutter), bei den Wegbeschreibungen machen die Präpositionen wie „neben“, „vor“, „hinter“, „gegenüber“ und „zwischen“ Sinn. Wenn du das Thema Einkaufen hast, kannst du dich um die Mengenangaben und um das Konditional (ich hätte gerne, ich möchte …) kümmern. So bleiben diese Lerninhalte viel besser haften.

 

10) Und der wichtigste Tipp zum Schluss

Habe keine Angst vor Fehlern! Jeder Sprachlerner macht Fehler, der eine früher, der andere später. Also: Habe Spaß am Lernen, streiche das Wort „müssen“ aus deinem Wortschatz und freue dich an deinen Erfolgen!

Wenn du weitere Tipps brauchst, dann findest du Informationen in meinem Blog und auch in meinem Buch. Im Buch findest du auch konkrete Beispiele.

2 Kommentare

  1. Da sind viele gute Tipps dabei, die sich Lerner zu Herzen nehmen können. Zum Beispiel die Satzerweiterung mache ich auch häufig mit etwas fortgeschrittenen Lernenden, gern auch im Wettbewerb. 🙂

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