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Heute gibt es wieder einen Beitrag aus der Rubrik „Der Lerner hat das Wort“. Diesmal habe ich Gregor Burghardt befragt – einen Sprachlerner, den ich über die Memrise-Facebook-Gruppe kennengelernt habe. Gregor und ich spornen uns gegenseitig bei Memrise an und schauen immer wieder, wer in der jeweiligen Woche die meisten Lernpunkte erreicht hat. Eine tolle Motivation!

Welche Sprachen Gregor lernt und wer er genau ist, das erzählt er dir gleich selbst.  Wenn dich also interessiert, woher er seine Lernmotivation nimmt und was auf seiner Bucketliste noch so alles steht, solltest du dir das Interview nicht entgehen lassen!

Erzähle mir ein bisschen von dir – wer bist du, wo wohnst du, was arbeitest du? Welche Sprachen sprichst du?

Ich heiße Gregor, bin 57 Jahre alt, stamme aus dem Ruhrgebiet, habe zwei erwachsene Töchter, bin nach 25 Ehejahren seit Mai 2016 frisch und glücklich geschieden. In Kiel wohne ich seit 2012. Es ist eine Liebe auf den zweiten Blick. Ich habe erst das Schlosserhandwerk gelernt und nach meinem 2. Bildungsweg “Sozialwissenschaften“ an der Duisburger Uni studiert.

Meine beruflichen Schwerpunkte lagen bislang in der Betreuung von Menschen, seien es Kinder, Jugendliche und auch ältere Menschen. Meine Muttersprache ist Deutsch, seit meiner Schulzeit lerne ich Englisch, neuerdings auch Spanisch. Zuletzt war ich über 10 Jahre als Nachhilfelehrer im Kreis Plön und Ostholstein tätig gewesen.

 

Wenn du eine neue Sprache lernst, welche Strategie verfolgst du? Wie lernst du?

Im Laufe der vielen Jahre habe ich verschiedene Wege eingeschlagen, um eine Sprache zu lernen. Man nennt so etwas „mehrkanaliges Lernen“, wenn man die unterschiedlichen Sinne nutzt, um eine Sprache zu lernen. Grundsätzlich befasse ich mich intensiv mit der Grammatik und dem Wortschatz. Natürlich ist das Sprechen auch sehr wichtig, was aber nicht nur in der Schule zu kurz kam, sondern auch später im Alltag, weil man eben Gelegenheiten suchen muss, um dann das anzuwenden, was man mit Büchern und Vokabelheften gelernt hat.

Wie hat sich dein Lernen im Laufe der Jahre verändert?

Insgesamt haben sich meine Lernwege so geändert, dass ich viel visueller lerne als früher. Ich nutze auch die digitalen Medien dafür und die Angebote, die man zum Lernen einer Sprache im Internet finden kann.

 

Hast du eine Lieblingssprache?

Meine Lieblingssprache ist eindeutig „Englisch“. Ich liebe die britische Aussprache sehr, aber es gibt auch AmerikanerInnen, die hervorragend sprechen. Das ist dann für mich, als ob ich unter der Dusche stehen würde und es genieße, dann „britisch“ oder „amerikanisch“ eingeseift zu werden. Ich will damit sagen, dass ich sehr gerne eine Fremdsprache wie Englisch „höre“ und das richtig genießen kann.

An zweiter Stelle steht bei mir Spanisch, durch die man wiederum in eine ganz andere Welt eintauchen kann. Der Sprachklang gefällt mir ebenfalls, vor allem, weil Spanisch eine so temperamentvolle, akzentuierte und frohe Sprache ist. Aber es kommt auch darauf an, ob es das europäische oder lateinamerikanische Spanisch ist. Da gibt es schon feine Unterschiede in der Aussprache.

 

Gibt es Blogs oder Podcasts, denen du regelmäßig folgst? Diese können aus dem Sprachenbereich sein, müssen aber nicht!

Ja, es gibt Podcasts, die ich sehr mag, z.B. die von PONS, die auch im Handel auf CD erschienen sind. Dann gibt es Podcasts vom BBC, die ich hin und wieder höre, z.B. „World Service“, besonders mag ich die Podcasts von „6 Minutes English“, aber „British Council“ ist im Internet zu finden und bietet auch verschiedene Apps für das Smartphone und Tablet an.

 

Welche Materialien nutzt du zum Sprachenlernen und zum Lernen allgemein?

Es gibt viele Materialien, mit denen ich eine Sprache lerne. Die klassischen Wege sind ja Bücher, CDs und Vokabelhefte. Ich besitze aber auch noch Audiokassetten z.B.bei der Gesamtausgabe von „Englisch mit BBC London“ aus den 1980er Jahren, die ich mal bei Ebay ersteigert habe. Ich habe mit der Sprachsoftware von PONS, Assimil und Digital Publishing einige Englisch-Kurse absolviert.

Seit der Digitalisierung unserer Welt bin ich aber immer mehr dazu übergegangen, mit meinem Smartphone, Tablet und Computer zu lernen. Hinzu kommt dann das Internet, das ich auch zum Lernen nutze und Angebote vor allem von „Busuu“ und „Babbel“ genutzt habe. Am besten hat mir „Busuu“ gefallen, da dort die Community lebendiger ist als bei „Babbel“.

Ich bin ein absoluter Fan von „Lektüren“, vor allem die wunderbaren „Penguin Readers“, aber auch die „MacMillan Readers“ und „Oxford Bookworms Library“ mag ich sehr.

Ich weiß von dir, dass du Memrise als Vokabeltrainer einsetzt. Gibst du selbst deine Vokabeln ein oder nutzt du die Sprachkurse? Wie ist deine Memrise-Lernroutine?

Mit „Memrise“ lerne ich seit einigen Monaten die Vokabeln und Redewendungen. Grammatik kommt ja bei Memrise weniger zum Zug. Am Rande bemerkt: Den „Membus“, der gerade durch Europa tourt, verfolge ich gerne über „Twitter“ und „Facebook“. Es macht mir bis zum heutigen Tag sehr viel Spaß, mit „Memrise“ zu lernen.

Ganz toll finde ich die Mini-Videos im „Sprachbad-Modus“, die mit Muttersprachlern erstellt worden sind. Sie wirken oft natürlich und sind auch immer wieder witzig. So manch ein Muttersprachler hat aber eine Aussprache, das ich hin und wieder doch fast vom Stuhl falle.

Zumeist benutze ich Kurse, die von Memrise angeboten werden. Das sind täglich so 9 Kurse mit dem Tagesziel 5 neue Wörter, davon sind 8 Kurse für Englisch und 1 Kurs für Spanisch. Ich habe auch damit begonnen, drei Kurse selbst zu erstellen. Ein Kurs nennt sich „English – For ambitious goals“. Dabei handelt es sich um 3.000 in der englischen Alltagssprache gebräuchlichen Ausdrücke, die ich nach und nach eintippen werde. Der andere Kurs heißt „English – Daily Conversation“ – Sätze aus dem Alltagsgespräch. Zuletzt habe ich dann noch einen Kurs mit den „Unregelmäßigen Verben“ erstellt.

Alle Kurse möchte ich im Laufe der Zeit auch vertonen. Ich weiß, dass das ambitioniert ist, macht aber Spaß. Es gibt ja keinen Zeitdruck, ich mache alles „just for fun“.

 

Woher nimmst du deine Motivation zum Lernen (nicht nur von Sprachen)?

Tja, das ist eine gute Frage. Ich will es mal so sagen: In meinem ganzen Leben hat bislang das Thema „Lernen“ eine sehr große Rolle gespielt. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht. Ich bin sehr vielseitig und lerne „von Natur aus“ gerne.

Das war in meiner ersten Schulzeit aber nicht unbedingt der Fall gewesen. Dort haben mich Themen wie Geschichte, Politik, Fremdsprachen und Erdkunde ziemlich „angeödet“. Es war furchtbar langweilig und auch anstrengend, dieses ganzes Zeug, d.h. die vielen Zahlen und Fakten einfach nur auswendig zu lernen. Ich habe mir dann seit meinem 2. Bildungsweg selbst die Türen zum Lernen geöffnet. Ich hatte in dieser Zeit auch zwei hervorragende Lehrer, die mir viel Freude beim Lernen bereitet haben. Einen Lehrer hatte ich in Mathematik, der vorher als Tischler seinen Lebensunterhalt verdient. Dann gab es noch einen Deutsch-Lehrer, der zuerst als Bäcker in der Backstube gearbeitet hatte.

Ich glaube, dass die Hauptmotivation zum Lernen in meiner Begeisterungsfähigkeit liegt. Und siehe da: Sobald ich mich für ein Thema begeistern kann, kommt fast alles wie von selbst. Ich will damit sagen, dass ich mich nicht irgendwie großartig ins Zeug legen und antreiben muss, um etwas zu lernen. Ich lerne einfach gerne, was manchmal auch nicht leicht sein kann, wenn ich z.B. immer wieder dieselben Englisch-Vokabeln vergesse oder bestimmte Grammatik-Regeln nur schwer im Alltag anwenden kann. Das können dann schon so richtige „gordische Knoten“ sein.

Trotzdem bleibe ich am Ball und gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich eines Tages dann noch einmal die Kurve kriege, um z.B.die vielen verschiedenen Zeitformen in der Praxis schnell und sicher anwenden zu können.

 

Was würdest du einem Lerner empfehlen, der mit einer neuen Sprache beginnen möchte? Wie soll er anfangen? Wie wichtig findest du Grammatik?

Wie ich oben schon sagte: Ich würde jedem Lerner empfehlen, mit Begeisterung eine neue Sprache zu lernen und möglichst viele Kanäle zu nutzen, d.h. Bücher, CDs, Software, TV, Smartphone und natürlich die Kommunikation mit Muttersprachlern. Da gibt es bestimmt noch viel mehr Möglichkeiten.

Ganz wichtig ist auch die Regelmäßigkeit, also das tägliche Lernen. Es ist eben besser, jeden Tag 5 neue Vokabeln zu lernen, als 1x pro Woche 35 auf einen Streich. Das ist nämlich nicht sonderlich „gehirn-freundlich“.

 

Wie wichtig ist deiner Meinung nach Talent?

Talent ist gut, ist aber bei weitem nicht alles, was man zum Lernen einer Sprache benötigt. Natürlich haben es Sprachtalente anfangs leichter, um sich eine neue Sprache anzueignen. Was aber, wenn sich das Talent mit Faulheit oder unstrukturiertem Arbeiten paart?

Ich habe schon Leute kennengelernt, die sehr talentiert waren, aber es beim Spracherwerb nicht sonderlich weit gebracht haben, weil ihnen der Biss (Wille) fehlte und auch die Freude. Das ist ja in anderen Bereichen nicht anders, sei es in der Musik, beim Sport oder in der Schule. Da gibt es auch echte Talente, aber der Erfolg sieht mitunter ganz bescheiden aus.

 

Wie viel Zeit investierst du in das Sprachenlernen? Wie viel Zeit in das Lernen allgemein?

Ganz allgemein investiere ich täglich wohl ein paar Stunden in das Lernen ganz allgemein, weil es bei mir eben ein richtiger Lebensinhalt ist. Für Englisch und Spanisch sind es täglich so 1 bis 1 ½ Stunden. Das kann aber auch mal mehr sein, wenn ich einen Intensivkurs online oder am Computer vor der Brust habe.

 

Gibt es noch Dinge im Leben, die du unbedingt noch machen möchtest? Gibt es eine Art Bucket-List?

Ja, ich würde in meinem Leben noch sehr gerne England und Kuba besuchen, um dort Englisch und Spanisch zu sprechen. Kuba ist aber auch für mein Hobby „Fotografie“ eine wahre Fundgrube. Südamerika kenne ich schon etwas, aber es muss ja nicht direkt über dem Teich sein. England, Schottland und Irland wären schon tolle Urlaubsziele, um dort meine Sprachkenntnisse zu festigen und zu erweitern.

Vielen Dank für deine Antworten!