Der Lerner hat das Wort: Meike Iwanek

Auch heute wieder gibt es ein Interview aus der Serie „Der Lerner hat das Wort“. Diesmal habe ich Meike Iwanek von Mathsparks.de gebeten, mir Rede und Antwort zu stehen. Dieses Interview ist besonders spannend, weil Meike sich mit Mathematik beschäftigt und Dyskalkulietrainerin ist, somit also nicht unbedingt die klassische Zielgruppe für Sprachen darstellt. Mathematik und Sprachen sind normalerweise ja zwei Welten, die nach Meinung vieler Leute nicht zusammenpassen. Du wirst sehen, dass Meike dich eines Besseren belehren wird. Du darfst also gespannt sein. Ein Hinweis noch am Rande: Meike kenne ich bis jetzt nur über Facebook und aus einem Skype-Gespräch, aber im Februar werden wir uns das erste Mal persönlich auf Didacta in Stuttgart treffen.

Erzähle mir ein bisschen von dir – wer bist du, wo wohnst du, was arbeitest du? Welche Sprachen sprichst du?

Ich bin Meike Iwanek, meistens positiv und fröhlich gestimmt. Ich wohne in Dagersheim, ein eingemeindetes Dorf zu Böblingen, und habe hier eine eigene Mathenachhilfeschule.  Im Moment eine Ein-Frau-Show, aber ich suche zur Zeit Mitarbeiter. Also wenn Du Lust hast Mathe zu unterrichten, melde dich gerne bei mir.

Zusätzlich bin ich seit September 2015 noch Dyskalkulietrainerin. Wenn du nicht genau weißt, was das ist- schau einfach auf meiner Webseite vorbei und bei Fragen einfach melden.

In der Schule hatte ich Englisch und Latein. Beides habe ich leidlich durchgezogen – Mathe war mir einfach immer lieber. Dann habe ich aber für eine internationale Firma gearbeitet, in der alles auf Englisch war, und da habe ich – würd ich mal behaupten – erst so richtig Englisch gelernt. Mittlerweile spreche ich es, denke ich, ganz gut und schaue die meisten Filme und Serien im Original und lese auch gerne Artikel auf Englisch.

Ich fahre gerne nach Spanien und liebe einfach das Land, die Leute und die Lebensweise. Seit einigen Jahren versuche ich mich daran, Spanisch zu lernen. Die Grundlagen sind mittlerweile da, aber auch hier fehlt mir, wie damals in der Firma, das Sprechen. Ich denke, dass ich einfach mal 3 Wochen nach Spanien fahren sollte, Sprachkurse absolvieren und mit Einheimischen in Kontakt kommen. Das wäre toll, wenn sich das erfüllt.

Und zu guter Letzt – ich komm aus Schwaben. Schwäbisch spreche ich aber leidlich. Mein Vater ist zwar hier geboren, aber meine Mutter ist Berlinerin und so wurde ich eher hochdeutsch erzogen. Ich kann Schwäbisch verstehen und wenn mein Gegenüber Schwäbisch spricht, kann es sein, dass ich mich etwas anpasse. Aber im Alltag spreche ich eher Hochdeutsch.

 

Du hast ja einen Matheblog. Warum hast du ihn gestartet? Worum geht es genau?

Mich fasziniert die Mathematik – ansonsten hätte ich auch nicht vor 6 Jahren meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Mit dem Blog möchte ich den Menschen „da draußen“ zeigen, dass Mathe einfach ist, wenn man sie richtig erklärt bekommt. Ich halte das Niveau gezielt einfach und arbeite mit „Kochrezepten“. Zur Zeit geht es viel um Analysis und Algebra, Themen wie Ableitungen, Gleichungen, Kurvendiskussion, aber auch Wurzeln oder Potenzen und Prozente.

 

Warum findest du die Mathematik so faszinierend?

Gute Frage und gleichzeitig schwierige Frage. Faszinierend finde ich, dass es nur richtig und falsch gibt. Es gibt kein „könnte so sein, eventuell oder kommt drauf an, wie man es interpretiert“. Die Mathematik ist rein und klar. Das finde ich schön und gleichzeitig beruhigend. Sie schafft Ordnung in der Welt und auch in meinem Leben.

Faszinierend finde ich auch, dass es so viel Mathematik in der Natur gibt. Wusstest du, dass Bienen ihre Waben als Hexagon bauen, da dieses sehr stabil ist?

Unbewusst nutzen wir soviel Mathematik im Alltag und merken es gar nicht – wenn du z.B. einen Kuchen backst musst du abwiegen und zählen.

Faszinierend bei mir selber finde ich, dass wenn ich Kopfweh habe, ich nur eine schwierige Matheaufgabe lösen muss und sie gehen (meistens) weg. Laut meiner Mutter war dies schon immer so.

 

Glaubst du, dass eine sprachliche Begabung eine mathematische Begabung ausschließt? Und wie erklärst du dir, dass Sprachen noch als „typisch Mädchen“ und Mathematik als „typisch Junge“ angesehen werden?

Ich finde es schade, dass es diese Aufteilung immer noch gibt. Ich denke es kommt daher, dass der Technikbereich leider immer noch den Jungs zugeschrieben wird. Aber ich freue mich, dass ich immer mehr Mädchen kenne, die in die MINT Bereiche gehen, und ich unterstütze sie da sehr gerne auf ihrem Weg.

Auch kommt es daher, dass viele Mädchen immer noch mit dem Vorurteil im Kopf rumrennen -Mathe kann ich eh nicht. Leider geben viele Eltern – oft unbewusst – ihren Kindern das auch mit auf den Weg: Ich war da auch schlecht, Mathe ist schwer etc.

Wir Frauen gehen einfach anders an ein Matheproblem ran als die Männer. Wir denken anders, eventuell kreativer, und kommen dabei auch auf sehr gute Ergebnisse.
Bei mir selber ist es so, dass meine Stärke eindeutig im Mathematischen liegt, aber auch ich habe mittlerweile Englisch gelernt. Es dauert eventuell länger, aber ich denke, dass jeder in beiden Bereichen eine Begabung haben kann. Die eine ist eben etwas stärker ausgeprägt oder wird schneller entdeckt. Und das, was wir gut können, machen wir dann auch viel lieber als das andere und beschäftigen uns mehr damit.

 

Wenn du eine neue Sprache lernst, welche Strategie verfolgst du? Wie lernst du?

Gute Frage – zur Zeit lerne ich nur 5-10 Minuten am Tag Spanisch. Mittlerweile bin ich im Kurs 4.

Ganz früher habe ich mal einen VHS Kurs besucht, aber da kam es mir so vor, als ob wir nicht voran kommen. Danach habe ich ein ganzes Jahr wöchentlich online Einzelstunden genommen und wir haben die Grammatikgrundlagen durchgesprochen und ich habe sehr viel gelernt. Wie ich oben schrieb: Ich denke, ich sollte mal länger ins Land gehen.

Zuerst habe ich irgendwie versucht, da wie bei der Mathematik ranzugehen. Hab aber gemerkt, dass das nicht so einfach ist, da es bei einer Sprache eben nicht nur wahr und falsch gibt, sondern viele Ausnahmen oder Fälle. Das hat mich am Anfang sehr frustriert.

Ich brauche unheimlich lange, um mir Vokabeln zu merken. Daher ist dieses 5mls gut, da es die Vokabeln immer wieder wiederholt und neue und auch kleine Grammatikelemente dazu kommen.
Englisch lerne ich mittlerweile unbewusst durch Filme, Serien und Artikel. Wir hatten mal eine englisch Sprachgruppe ins Leben gerufen, aber das hat sich leider wieder zerschlagen. Daher rede ich jetzt 1x im Monat mit Kirsty aus England

 

Wie hat sich dein Lernen im Laufe der Jahre verändert?

Englisch läuft mittlerweile einfach passiv nebenbei. Das freut mich auch, dass ich da soweit gekommen bin. Bei Spanisch war ich etwas nachlässig, als ich die Nachhilfe aufgebaut habe, will da jetzt aber wieder mehr tun und nochmal durchstarten. Ich sehe es aber eher als Ausgleich zu den vielen Zahlen und mach mir da keinen Druck.

 

Hast du eine Lieblingssprache?

Da würde ich sagen Spanisch- liegt aber eventuell auch daran, dass ich eben auch Land und Leute mag.

 

Gibt es Blogs oder Podcasts, denen du regelmäßig folgst? Diese können aus dem Sprachenbereich sein, müssen aber nicht!

Oh da hab ich eigentlich nichts wo ich regelmäßig dahinter bin. Dafür habe ich einfach zu wenig Zeit und habe so viele Interessen, dass ich eher mal hier und da lese und höre.

 

Welche Materialien nutzt du zum Sprachenlernen und zum Lernen allgemein?

Zur Zeit für Spanisch nur das 5slm und für Englisch habe ich jetzt Netflix und schaue alles auf Englisch, dann auch CNN oder Artikel auf Englisch und einmal im Monat mit Kirsty.

 

Woher nimmst du deine Motivation zum Lernen (nicht nur von Sprachen)?

Ich bin vielseitig interessiert und sehr neugierig. Wenn ich etwas entdecke, was mich fasziniert, dann muss ich das ausprobieren und dann kommt das Lernen von selbst. Ich denke, man sollte immer erst sein Warum klären und dann kommt die Motivation von alleine.

 

Was würdest du einem Lerner empfehlen, der mit einer neuen Sprache beginnen möchte? Wie soll er anfangen? Wie wichtig findest du Grammatik?

Er sollte sich am Besten ein paar Einzelstunden gönnen und mit diesem Lehrer den Einstieg machen. Wenn die Grundlagen dann gelegt sind, vorallem auch die Aussprache, dann sollte man Vokabeln pauken und danach oder parallel die Grammatik.

 

Wie viel Zeit investierst du in das Sprachenlernen? Wie viel Zeit in das Lernen allgemein?

Sprachen sind bei mir 5-10 Minuten am Tag, das aber konsequent jeden Tag – auch Wochenende und Feiertage. Und dann eben noch passiv, wenn ich Filme gucke oder Artikel lese. Allgemein weiß ich gar nicht – vieles lernt man ja auch nebenbei. Auch da denke ich, dass ich vieles passiv aufnehme oder gar nicht merke, dass ich grad lerne.

 

Du weißt, dass du ein Sprachen-oder Mathe-Nerd bist, wenn du …

Ich finde das Wort Nerd negativ besetzt. Vielleicht liegt das aber auch nur an mir. Daher, du weisst, dass du Sprachen-oder Mathematik magst, wenn du dich sehr gerne täglich damit beschäftigst und in einen Flow Zustand kommst, alles um dich vergisst und eintauchst in die Thematik.

 

Gibt es noch Dinge im Leben, die du unbedingt noch machen möchtest? Gibt es eine Art Bucket-List?

Mein großer Traum ist eine Reise zu den Delphinen. Mal schauen, ob ich mir den irgendwann erfüllen kann. Auch würde ich gerne mal in der Weihnachtszeit nach New York. Dann würde ich gerne tauchen lernen und ein Buch über mich schreiben. Und ich würde mich sehr freuen, wenn mein Blog anderen Menschen zeigt, dass Mathe gar nicht so schwer ist.

 

Vielen Dank, liebe Meike, für das Interview und die interessanten Antworten.

2 Kommentare

  1. Ricardo Seifert

    27/01/2017 at 16:11

    Interessanter Artikel. ich freue mich auf nächsten. -)

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