Wie du dir deinen eigenen Vokabelschatz aufbaust Teil 1

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Vokabellisten sind langweilig. Vor allem, wenn sie in Lehrbüchern in der immer gleichen Reihenfolge vorkommen, dich persönlich weder betreffen noch interessieren und ohne jeglichen Zusammenhang daherkommen.
Daher kommen hier sieben Vorschläge, wie du das Vokabellernen in Zukunft ein bisschen abwechslungsreicher und interessanter gestalten kannst. Der zweite Teil folgt kommende Woche.

1) Beginne mit Vokabeln, die dich selbst betreffen.

Sprich über dich selbst, dein Leben, deine Hobbys. Normalerweise sind das auch die ersten Vokabeln, die du in deiner Lernsprache brauchen wirst, daher sind sie ein guter Ausgangspunkt. Alles, was uns persönlich betrifft und in irgendeiner Form berührt oder was wir tatsächlich benötigen, behalten wir leichter.


 

2) Nutze nicht nur die Augen zum Lernen.

Sprich dir die Vokabeln laut vor, gestikuliere, schreibe die Vokabeln auf, zeichne – je mehr Sinne du nutzt, desto besser. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben herausgefunden, dass man sich Wörter einer Fremdsprache am besten merkt, wenn man sie mit Gesten unterstreicht. An zweiter Stelle folgte das Betrachten von Bildern. Fazit: Wer gestikuliert, lernt besser.


 

3) Schreibe unbedingt ein Vokabelheft, auch wenn du einen Vokabeltrainer am Computer nutzt.

Das Vokabelheft eignet sich wunderbar zum Nachschlagen, Herumblättern und zum Herauspicken von einzelnen Vokabeln. Diese einzelnen Vokabeln kannst du dann vertiefen durch zusätzliche Übungen: Wortverbindungen suchen, Sätze schreiben, Geschichten schreiben, Verbformen bilden … Wenn du ein Vokabelheft führst, schreibst du die Vokabeln auch wenigstens einmal mit der Hand, das ist gut für die Hand-Augen-Gehirn-Koordination – so merkt man sich die Wörter besser.


 

4) Übe Vokabeln in unterschiedlichen Situationen.

Benutze sie in Texten, sowohl mündlich als auch schriftlich, setze sie mit verschiedenen anderen Wörtern und Satzteilen zusammen. Je mehr Kombinationen und unterschiedliche Übungsformen, desto besser. Hier macht definitiv die Übung den Meister.


 

5) Variiere auch den „Vokabel-Input“.

Woher kommen deine Vokabeln? Nutze unterschiedliche Quellen, sowohl Bücher, Internettexte, Blogs oder Zeitungsartikel als auch Hörbücher, Podcasts, Unterhaltungen oder Dialoge. Besonders effektiv wirst du lernen, wenn du dich bei deiner Auswahl auf ein Thema beschränkst, also Texte aller Art nur zum Thema Umweltpolitik, Sport oder Gartengestaltung. Du wirst dann nämlich im Laufe der Zeit immer wieder die gleichen Schlüsselwörter sehen und ein Erfolgserlebnis nach dem anderen haben. Wähle aber unbedingt Themen, die du persönlich interessant findest! Wenn ein Thema „abgearbeitet“ ist, nimmst du dir das nächste Thema vor. So stellst du sicher, dass die Abwechslung nicht zu kurz kommt – Langweile wird ein Fremdwort für dich sein.


 

6) Erzähle eine Geschichte.

Nimm deine neuen Vokabeln und erzähle eine Geschichte – wie passen deine Wörter dazu?


 

7) Lerne unbedingt Vokabeln im situativen Zusammenhang.

Dafür gibt es sogar spezielle Wörterbücher – entweder einsprachige Wörterbücher, in denen die Vokabeln in der Lernsprache erklärt werden, oder Kollokationswörterbücher, die die Wortverbindungen praktisch gleich mitliefern.


 

War da schon etwas für dich dabei? Nächste Woche folgt dann Teil 2 dieses Themas, dann gibt es auch Links zu Online-Tools.

Viel Spaß und Erfolg beim Lernen wünsche ich dir!

Herzliche Grüße

Christine

6 Kommentare

  1. Hat dies auf sprachenblog rebloggt und kommentierte:
    Christine hat einen interessanten Artikel mit guten Tipps zum Lernen von Vokabeln veröffentlicht. Das ist Teil 1. Teil 2 findet ihr auf ihrem Blog.

  2. Hallo Zusammen,

    Ich bin ein Fan des Vokabelheftes und dies auch noch unsortiert.
    Ich schreibe mir Vokabeln auf die mich interessieren, die mir gefallen (kling blöd aber so ist es) und bei denen ich das Gefühl habe, dass ich sie wissen muss.
    Wenn ich eine Vokabel suche, z.B. wärend ich einen Text lese, weiß ich meist genau wo sie im Vokabelheft steht und das sie darin steht.
    Wenn ich sie einmal nach geschlagen habe weiß ich sie meist „für immer“.

    Die wichtigsten unregelmäßigen Verben habe ich mir tatsächlich auf Karteikarten geschrieben. Frontseite mit der Grundform und auf der Rückseite die Konjugation und die Übersetzung.
    Diese sehe ich mir in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder an.
    Vielleicht hilft es ja was! 🙂

    Ich versuche auch täglich irgendwelche Dinge, in meinem Fall jetzt in Italienisch, in der Fremdsprache für mich zu umschreiben oder beschreiben.
    Wenn es dann in meinen Augen gut klingt – passt! 😉 Ob es 100% richtig ist werde ich wohl nicht erfahren.
    Gelegentlich benutzte ich dann auch LEO um es zu verifizieren.

    Ahso … Online und am Computer mache ich nix in Sachen Vokabeln. Ich habe für mich das Gefühl es hilft mir wenn ich sie selber mit einem Stift aufschreibe. Irgendwie weiß ich dann (siehe erster Absatz), dass ich die Vokabel schon mal aufgeschrieben habe und entweder erinnere ich mich an die Vokabel (beste Option) oder ich sehe in mein Vokabelheft.

    Gruß,
    Jan

    • Hallo Jan,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Deine Tipps sind super, und wir sind im Kurs ja auch immer sehr beeindruckt, wie gut Deine Techniken funktionieren! Vokabelheft ist wirklich eine gute Idee – ich finde, und das sagst Du ja auch ganz richtig, dass man nur unterscheiden muss zwischen „lernen“ und „nachschlagen und blättern“. Lernen aus dem Vokabelheft selbst ist sicherlich nicht optimal – es sei denn, Du erinnerst Dich immer genau an die Situationen, in denen die Vokabel gefallen ist. Aber zum Blättern und Nachschlagen ist es super geeignet!

      Und es klingt überhaupt nicht komisch, wenn Du schreibst, dass Du Vokabeln aufnimmst, die Dir gefallen. Davon lebt doch Deine Sprache, oder etwa nicht? Diese Vokabeln bleiben dann wohl auch besser im Gedächtnis – und dann klingen sie auch noch gut oder schauen schön aus.

      Außerdem: Beschreibungen und Umschreibungen müssen nicht korrekt sein. Hauptsache ist, sich damit zu beschäftigen und zu üben, zu üben und nochmal zu üben. Die sprachliche Perfektion ist gar nicht das Ziel. Freude und Spaß soll es machen, und auch mit kleinen Fehlern, einem Akzent und gelegentlichen abteuerlich klingenden Umschreibungen kannst Du stolz darauf sein, was Du sprachlich hinbekommst.

      Und die, die sich darüber beschweren sollten, sollen sich erst einmal hinstellen und es besser machen. Zudem ist es egal, was solche Menschen über Dich/mich/uns denken, denn die wollen wir eh nicht als Freunde haben. Oder?

      Wir halten uns lieber an die, die uns unterstützen, uns eine Hilfe sind, uns helfen. Und an die, die freundlich sind und auch kleine Anstrengungen zu schätzen wissen.

      Herzliche Grüße
      Christine

  3. Vielen Dank für die guten Tipps! 👏
    Eine Frage hätte ich noch zum ‚Vokabelheft‘: Welche Struktur / Organisation sollte es haben? Die Vokabeln einfach nur hintereinander einzuschreiben halte ich nicht für effektiv. Sollte man sie nach Themen oder ABC sortieren? Welchen Tipp hast du hier?
    Danke für deine Antwort, liebe Christine

    • Liebe Birgit,

      Danke für das Kompliment!

      ich finde es gut, wenn das Vokabelheft entweder thematisch sortiert wird oder eventuell nach Wortarten.

      Was ich auf jeden Fall vermeiden würde, wäre eine alphabetische Sortierung.

      Ich schlage vor: Themensortierung für Vokabelgruppen (pro Thema vielleicht eine Doppelseite) und für die Einzelvokabeln einfach eine normale Liste.

      Es geht ja nicht darum, die Vokabeln im Heft zu lernen, sondern nur darum, sie mit der Hand zu schreiben und eine Übersicht zum Stöbern und Blättern zu haben.

      Zum Lernen würde ich immer ein Karteikartensystem wählen, entweder am Computer (so mache ich das) oder auch auf Papier.

      Die Papierkarten haben den Vorteil, dass sie jederzeit sortiert und umorganisiert werden können, die Computerversion nimmt mir die Organisation ab: Computer an, schauen: Was ist zu tun?, erledigen, fertig.

      Du kannst anstatt ein normales Vokabelheft auch große Karteikarten nehmen und sie jeweils mit verschiedenen Themenbereichen beschriften: Essen und Trinken, in der Stadt, Arzt und Apotheke, Bank und Geld, Einkaufen, Kleidung, kleine Wörter …

      Das perfekte System gibt es leider nicht. Man muss ausprobieren und ausprobieren und ausprobieren….

      Viel Spaß dabei und liebe Grüße
      Christine

      • Vielen lieben Dank für deine prompte und umfassende Antwort, Christine.

        Ich denke ich werde es thamtisch probieren, ansonsten lasse ich mich von babbel weiterhin organisieren😉

        Ciao Birgit

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