Mind Maps – so kommt Kreativität in dein Lernen – Teil 1

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Wie lernst du eigentlich Vokabeln oder Grammatik?

Verwendest du die klassische Listenform, schreibst du dir ab und zu auch einmal Karteikarten oder versuchst du dir, nur durch Abdecken der entsprechenden Spalten in den Büchern die Lerninhalte einzuprägen?

Ärgerst du dich aber häufig, dass dir der Zusammenhang fehlt und deshalb nicht wirklich viel hängenbleibt? Dann versuche doch einmal die folgende Methode – Mind Maps.

Was sind Mind Maps überhaupt?

Mind Maps sind eine Art „Gehirnlandkarte“ und gliedern deinen Lernstoff genauso auf, wie du ihn dir erarbeitest und „erdenkst“.

Du fängst mit einem zentralen Begriff allgemeiner Art oder deinem Thema in der Mitte eines Blattes oder eines Computerdokuments an und gruppierst nach deinen Gedankenstrukturen die weiteren Informationen, indem du sie mit dem zentralen Begriff durch Striche verbindest.

Dabei gehst du immer weiter ins Detail. Wenn das Blatt zu Ende ist oder dir nichts mehr zu einem Ast einfällt, bist du fertig.

Du siehst also, es funktioniert wie ein Brainstorming, allerdings schon mit einer Art Grundstruktur.

Grundsätzlich werden zuerst die zu einem Thema gehörenden Unterkategorien erstellt und die Details in weiteren Schlüsselwörtern eingearbeitet.

Wenn du gerne zeichnest, kannst du Bildchen und kleine Zeichnungen oder Skizzen einfügen, dadurch behältst du den Lernstoff noch einfacher.

Nutze aber in jedem Fall unterschiedliche Farben und rahme dir wichtige Informationen ein.

Dadurch erhältst du ein übersichtliches Arbeitsblatt, das du auch später zur Hand nehmen kannst und problemlos wieder nachvollziehen kannst.

Da die Gedankengänge und Verknüpfungen bei jedem Menschen anders aussehen, sieht auch jede Mindmap, auch wenn sie zum gleichen Thema abgefasst wird, vermutlich bei dir anders aus als bei mir oder deinem Lernpartner.

Das macht aber nichts; es gibt hier kein „richtig“ oder „falsch“. Die Hauptsache ist, dass du die Informationen für dich selbst optimal verwerten kannst.

Welche Möglichkeiten der Erstellung gibt es?

Mindmaps können sowohl per Hand auf einem Blatt Papier als auch am Computer mit entsprechenden Computerprogrammen gezeichnet werden.

Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Bei beiden Varianten, ob handgeschrieben oder am Computer erstellt, kannst du frei assoziieren und bist höchst flexibel.

Verteilt im Artikel findest du übrigens drei Beispiele für Mindmaps, die ich – allerdings als absolute Basisversionen – mit XMind2013 bzw. XMind6 erstellt habe.

Mindmap 1: Al bar – in italienischer Sprache

Offline:

Du kannst deine Mind Map offline erstellen, also einfach auf einem Blatt Papier.

Du nimmst ein Blatt Papier, am besten mindestens im Format DIN A 4, im Querformat, schreibst das zentrale Thema in die Mitte und ordnest die Unterthemen immer mehr ins Detail gehend darum an.

Achte darauf, keine ganzen Sätze zu schreiben.

Von Vorteil sind Farben (für verschiedene Unterbereiche) und vielleicht sogar kleine Zeichnungen – du musst ja keinen Preis dafür gewinnen!

So kannst du ganz unkompliziert deine kreative Ader ausleben.

Die handgeschriebene Variante hat ihren Hauptvorteil in der Kreativität.

Viele Lerner machen die Erfahrung, dass sie Handgeschriebenes besser behalten.

Außerdem kann man eine schöne, handschriftlich gestaltete Mindmap auch zu Hause aufhängen und zum Lernen nutzen.

Computerausdrucke sehen natürlich nicht so schön aus.

Wenn du allerdings bei einer handgeschriebenen Mindmap noch weitere Äste einfügen möchtest, wird es schwierig: Der Platz reicht vielleicht nicht aus, die Anordnung der Äste ist schon vorgegeben.

Außerdem musst du von vorneherein eine Grundplanung vornehmen, damit die Aufteilung auf dem Blatt auch nach drei oder vier Gedankengängen noch einigermaßen funktioniert.

Online:

Wenn du nicht so gerne zeichnest und auf Papier arbeitest, kannst du eine Computersoftware nutzen.

Mindmap 2: Globalization –  in englischer Sprache

Vorteile gibt es dafür einige: Das Computerprogramm legt automatisch die Form der Mindmap fest, ordnet für dich die Äste an und sorgt so zumindest meistens für eine übersichtliche Struktur.

Du kannst nachträglich immer wieder etwas hinzufügen oder löschen, Äste ein- und ausklappen (auch beim Ausdrucken), die Mindmap mit anderen Informationen und Notizen virtuell verknüpfen und sogar Videos einfügen.

Das sind die großen Vorteile von Computerprogrammen.

Ein Tipp noch: Um Zeit und Nerven zu sparen, lohnt es sich, vor allem wenn du oft mit Mindmap-Programmen arbeitest, die entsprechenden Shortcut-Befehle zu lernen.

Welche Mind Map Formen gibt es?

Es sind verschiedene Formen möglich: Sternmodell – bei diesem steht das zentrale Thema in der Mitte und die Verknüpfungen gehen sternförmig ab – oder Baummodell – hier steht das Thema am Rand des Blattes und verzweigt sich von oben nach unten oder von links nach rechts.

Je nach Thema passt mal das eine, mal das andere Modell besser. Computerprogramme passen die Formen sowieso automatisch an.

Es gibt natürlich auch noch weitere Möglichkeiten, aber für den Sprachenbereich passen diese beiden sehr gut.

Welche Programme gibt es?

Es gibt Mind Manager Pro – dieses Programm ist etwas teuer, es gibt aber oft Messeangebote, Schüler- oder Lehrertarife.

Dann gibt es Freemind oder XMind 2013 (damit arbeite ich und damit sind auch die drei Beispiele erstellt).

Gib im Internet „Mind Map“ ein, dann werden dir verschiedene Möglichkeiten angezeigt.

Viele Programme gibt es als Freeware, einige Programme sind kostenpflichtig.

Mindmap 3: La cuisine berlinoise – in französischer Sprache

Was kannst du im Sprachenbereich in einer Mind Map organisieren?

Eigentlich so ziemlich alles, angefangen von deinem Lernplan über Sachthemen wie „Französische Geschichte des 16. Jahrhunderts“ oder „Die Politik von Margret Thatcher“ bis hin zu Vokabelfeldern wie „Im Restaurant“, „Beim Einkaufen“ oder „Umweltschutz“ oder Grammatikthemen wie „Die Relativpronomen im Englischen“ oder „Die Verwendung der Vergangenheitszeiten im Spanischen“.

Es gibt kaum Themen, bei denen Mind Maps nicht funktionieren!

Und bei Bedarf steht dir sofort die fertige Mind Map als Wiederholungslektion zur Verfügung.

Wenn du Themenwortschatz oder Sachthemen ordnest, dann kannst du dich mit deiner Mind Map auch schnell auf bestimmte Situationen vorbereiten: Du gehst in Frankreich ins Restaurant? Also liest du dir deine Mind Map mit den Speisen und Getränken und dem Restaurantvokabular in Französisch vorher nochmal durch. Du möchtest die Regeln der Bedingungssätze im Englischen wiederholen? Dann schaue dir deine entsprechende Mind Map an (auf der es bei den Basisregeln nur 3 Unteräste gibt).

Fazit:

Entscheide selbst, was dir mehr liegt und womit du lieber arbeitest.

Vielleicht möchtest du zu Hause auch computergeschriebene Mindmaps nutzen und unterwegs auch mal eine Mindmap mit der Hand zeichnen.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Ein Allheilmittel ist eine Mindmap nicht.

Manchmal gibt es keine eindeutigen Zuordnungen, manchmal ist der Lernstoff zu komplex.

Oft funktionieren einfache Tabellen besser und sind übersichtlicher.

Du solltest also immer vorher die grundsätzliche Überlegung anstellen, was prinzipiell besser funktioniert.

Nutze Mind Maps immer dann, wenn sie passen.

Wenn du der Meinung bist, eine Tabelle sei besser geeignet, dann nimmst du die Tabelle.

Suche dir immer das Passende aus – wie in einem Selbstbedienungsladen.

Wie geht es jetzt weiter?

Also, worauf wartest du noch? Nimm ein Blatt Papier zur Hand und male oder schreibe deine erste Mind Map.

Du wirst sehen, wenn du die Technik beherrschst, wirst du sie nicht mehr missen wollen.

Und besonders für visuelle Lerntypen, also die „sehenden“ Lerner, ist diese Technik großartig geeignet.

Viel Spaß und herzliche Grüße

Christine

17 Kommentare

  1. You are my inspiration.

  2. Well I really enjoyed reading it. This information procured by you is very practical for correct planning.

  3. Hallo Christine,

    Habe mir vor ein paar Tagen Tony Buzans Buch über die Mindmaps besorgt. Muss erst mal sein „The power of creative intelligence“ (auf Bulgarisch), wovon ich nicht so ganz begeistert bin, zu Ende lesen. Aber das mit den Maps möchte. Ich gern probieren, erlernen, selber benutzen und auch vielleicht meinen Lernern beibringen.

    Ich denke, an erster Stelle sollte man die Schablone, mit dessen Hilfe man auf die Welt schaut, umtauschen. Also alte Lerngewohnheiten in Frage stellen, besonders wenn diese nicht so gut funktionieren, und Neues ausprobieren. Das wollen aber viele einfach nicht wahrnehmen und lernen immer so weiter, wie sie es kennen, und kommen kaum weiter :/

    Da habe ich mit Die ein gemeinsames Ziel – effektievere, leichtere und angenehmere Lernmethoden zu verbreiten und bekannter machen.

    Liebe Grüße,

    Aneta

    • Hallo Aneta,
      wow, das ist ein toller Kommentar! Ich denke auch, dass wir da vieles gemeinsam haben. Unsere gemeinsame Mission ist also, den Spaß am Lernen zu vermitteln. Mindmaps sind super geeignet zum Lernen, sie sind nicht schwer zu erlernen. Du kannst sie mit der Hand schreiben/zeichnen oder auch ein Computerprogramm nutzen. Ich persönlich mache sie meist am Computer, weil es übersichtlicher ist.
      Das Wichtigste für Lerner ist, Eigenverantwortung für ihr Lernen zu übernehmen und selbst zu entscheiden, welche Methode sie anwenden möchten und welche nicht. Und das Thema mit den alten Lerngewohnheiten kenne ich nur zu gut von meinen Kursen: Da wird häufig von Teilnehmern so gelernt wie vor 50 Jahren in der Schule. Die Lerner sind dann gefrustet und schaffen es aber dennoch nicht, etwas zu ändern. Ob aus mangelndem Wissen oder aus Bequemlichkeit, kann ich nicht immer beurteilen.
      Danke für Deinen Kommentar,
      liebe Grüße
      Christine

  4. Hi Christine,

    danke für deinen Artikel.
    Ich finde auch Mindmaps super um Grammatik zu lernen und übersichtlich darzustellen.

    Bin grad dabei eine große Übersicht für mehrere Sprachen zu machen.

    Grüße

    • Hallo Jörg,

      ich habe eben einen Blick auf Deinen Blog geworfen – jetzt weiß ich auch wieder, wer Du bist! Ich hatte bei Dir auch schon kommentiert (den Sprachlernartikel). Dein Blog gefällt mir übrigens gut, da schaue ich jetzt wieder häufiger vorbei.
      Liebe Grüße
      Christine

  5. Hi Christine,

    danke für deinen Artikel.
    Ich finde auch Mindmaps super um Grammatik zu lernen und übersichtlich darzustellen.

    Bin grad dabei eine große Übersicht für mehrere Sprachen zu machen.

    Grüße

    • Hallo Jörg,

      Du hast anscheinend mit Mindmaps schon gearbeitet. Was gefällt Dir so gut an der Technik? An Deiner großen Übersicht für mehrere Sprachen wäre ich natürlich sehr interessiert und würde mich sehr freuen, wenn Du sie mir mal zeigen würdest, wenn sie fertig ist….
      Liebe Grüße Christine

  6. Hallo Christine
    Ich habe in einem Flüchtlingsheim angefangen, Aufgabenhilfe in Deutsch anzubieten. Gestern kam ein Mann zu mir, der zwar die Bilder in seinem Heft benennen, aber weder lesen noch schreiben konnte.
    Er spricht nur seine Muttersprache (Tigrinya vermute ich), und ich konnte nicht mal herausfinden, ob er in seiner Sprache lesen und schreiben kann.
    Hast du eine Idee, wie ich ihm die deutsche Sprache näher bringen kann? In erster Linie geht es ja darum, dass er erst mal lernt, sich grob zu verständigen. Wie würdest du da ansetzen? Mit Bildern?
    Da die Leute alle sehr unterschiedliche Sprachniveaus haben bin ich bei jedem einzeln und versuche da zu helfen, wo es bei ihnen „klemmt“. Ich habe nur zwei Std pro Woche, was eine sehr intensive Auseinandersetzung mit jedem Einzelnen schwierig macht.

    • Hallo,

      das ist schon eine sehr spezielle Frage, ich glaube, ich würde so vorgehen: Ich würde zum einen Bilder verwenden. Von Langenscheidt und auch PONS gibt es das sogenannte „Ohne-Wörter-Wörterbuch“, das nur Bilder beinhaltet – das ist genau für Menschen gedacht, die in Länder reisen, bei denen sogar unverständliche Schriftzeichen verwendet werden. Damit sollte schon einmal ein Teil abgedeckt sein.
      Und für den aktiven Teil der Unterhaltung könnte ich mir vorstellen, dass es über einfache Dialoge funktioniert, gestützt mit einer Art Moderationskarten. Also: Man sieht zwei Leute auf einem Foto, die sich begrüßen. Dieses Foto ist dann der Auslöser für den Dialog: Guten Morgen, wie geht es Ihnen: Danke gut, und Ihnen? …
      Die Redewendungen und kleinen Sätze müssten natürlich eingeübt werden – da es über Schrift nicht funktioniert, bleibt nur der Weg über das Hören und Sprechen. Vermutlich werden viele Wiederholungen nötig sein, aber durch die Unterstützung durch Fotos (sozusagen als Trigger, damit er weiß, welche Situation gerade ansteht, und um Dir lange Erklärungen zu ersparen) sollte das recht gut klappen.
      Eventuell könntest Du, falls das nicht zuviel Aufwand ist, kleine YouTube-Filme zu Hilfe nehmen – schau vielleicht mal bei Deutsch als Fremdsprache/Dialoge/Unterhaltungen etc. nach – und baue die Redewendungen herum. Dann hat er gleich die Bewegung mit eingebaut. Natürlich weiß ich jetzt nicht, ob das technisch machbar ist – aber als Grundidee halte ich das für einen ganz guten Ansatz.
      Ich glaube, das Wichtigste ist, dass der Mann sofort begreift, was die Situationen sind und was als Reaktion von ihm erwartet wird. Die Reaktionen selbst muss er durch Wiederholungen, Sprechen und Hören einüben.
      Was hältst Du von diesen Ideen? War etwas Passendes dabei?
      Liebe Grüße
      Christine

      • Ja, auf alle Fälle. Ich muss schauen, ob es dieses Wörterbuch vlt in der Bibliothek gibt, damit ich es erst mal ausprobieren kann.
        Das mit dem Fotos und Situationen ist auch gut. Ich muss noch darüber nachdenken. Computer habe ich dort nur im Büro gesehen. Immerhin wird die Heimleitung einen CD-Player anschaffen, da oft Hörübungen gemacht werden müssen.
        Viiiiiieeeelen herzlichen Dank für deinen Input. 🌹

        • Nichts zu danken, gern geschehen. Schreib doch mal bei Gelegenheit, wie alles funktioniert hat.

          • Ja, gerne.
            Mich interessiert es, wie gut und schnell er sich Wörter merken kann. In den Ländern, wo eher eine Sprach- als Schreibkultur herrscht, haben die Menschen ja angeblich ein besseres Gedächtnis. Ich bin gespannt.
            Er hat mir übrigens als erstes ein Diplom vorgelegt, dass er einen Kurs gemacht habe und laut diesem Diplom müsste er schreiben, lesen und etwas reden können. Das finde ich sehr irreführend.

  7. Hallo Christine,
    super Idee mit dem Restaurant Mindmap. Ich war gestern mal wieder italienisch Essen und habe mühsam meine Restkenntnisse ausgepackt. Ich werde mir jetzt ein italienisches MindMap anlegen und für unseren nächsten Frankreich-Schlemmeraufenthalt ein französisches Restaurant MindMap, damit ich zumindest in Grundzügen verstehe was der maître da so erklärt.
    Ciao
    Birgit

    • Hallo Birgit,
      Du kannst auch die Begriffe und Wendungen, die du noch nicht weißt, in Deutsch dazuschreiben und nach und nach übersetzen. Oder du überlegst dir, welche Wörter du in Deutsch verwenden würdest und übersetzt sie entsprechend.
      Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass dir die Technik zusagt.

      Liebe Grüße Christine

  8. Hallo Christine,

    MindMaps sind toll – ich komme ohne nicht aus. So entsteht jeder Blogartikel von mir aus einem Mindmap. Ich benutze dazu das einfache, aber optisch extrem ansprechende SimpleMind. In meinem Blog habe ich darüber geschrieben. Ich möchte das als Ergänzung zu deinem tollen Artikel anhängen:
    http://www.ausdauerblog.de/mind-map/

    Viele Grüße
    Torsten

    • Hallo Torsten, danke für den Tipp mit SimpleMind. Ich wusste, dass du das Programm benutzt, aber ich wusste leider nicht mehr, wie es heißt. Danke für die Ergänzung. Liebe Grüße Christine

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