12 Tipps zum Lesen von Büchern in der Fremdsprache

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Liest du ab und zu in deiner Lernsprache?

Hier sind 12 Tipps, wie du mit Spaß Bücher in deiner Lernsprache lesen kannst! Es geht in diesem Artikel – das merke ich ausdrücklich an – um das Lesen aus Freude! Wenn du natürlich für eine Abschlussprüfung Shakespeare-Texte oder für ein Seminar französische Texte über Voltaire lesen musst, dann hast du leider keine andere Wahl.

Wenn du aber die Wahl hast und die 12 Tipps befolgst, dann wirst du mit viel Freude in deiner Lernsprache Bücher lesen – das kann ich dir versprechen.

Als Anfänger oder Fast-Anfänger wirst du vielleicht sagen: „Ich kann doch noch gar keine Bücher lesen“, aber so stimmt das nicht. Für dich ist außer Punkt 1 dann Punkt 2 sehr wichtig.

1) Motivation – liest du gerne?

Die erste Frage ist natürlich: Liest du gerne?

Wenn du nämlich nicht gerne in deiner Muttersprache liest, wirst du auch nicht gerne in deiner Lernsprache lesen.

Handlungen führt man aber nur dann häufig aus, wenn man sie gerne erledigt. Wenn du also nicht gerne liest, zwinge dich nicht dazu.

Lies das, was du in der Schule oder im Beruf lesen musst, und konzentriere dich beim Sprachenlernen auf die anderen Bereiche.

Die Einschränkung ist allerdings: Wenn dein Ziel ist, in deiner Lernsprache gut geschriebene Texte zu verstehen, dann kommst du um das Lesen nicht herum, egal ob dir das gefällt oder nicht.

Wenn du aber gerne liest, immer wieder in Buchhandlungen herumstöberst und der beste Kunde der örtlichen Bücherei bist, dann versuche doch auch einmal, Bücher in deiner Lernsprache zu lesen. Nur Mut!

2) Finde geeignete Bücher

Hier hast du verschiedene Möglichkeiten. Selbstverständlich kannst du dich als Fortgeschrittener auf die Originallektüre stürzen.

Stöbere in Buchhandlungen, Büchereien oder im Internet.

In Buchhandlungen kannst du in den Büchern herumblättern, einige Seiten querlesen und so entscheiden, ob das Sprachniveau für dich geeignet ist und dir das Thema gefällt.

In Büchereien ist ein Fehlgriff nicht schlimm: Wenn du ein Buch erwischt, das dir nicht gefällt oder zu schwierig ist, dann gibst du es einfach wieder zurück.

Wenn du im Internet nach fremdsprachiger Lektüre suchst, dann kannst du den „Blick ins Buch“, beispielsweise auf Amazon und anderen Portalen, nutzen. Dort hast du die Möglichkeit, die ersten Seiten des Buches zu lesen, bevor du das Buch kaufen musst. Du kannst also entscheiden, ob das Buch geeignet für dich ist und ob es dir gefällt.

Übrigens sind Übersetzungen in die jeweilige Sprache meist einfacher zu lesen als wenn das Buch im Original in der Sprache erschienen ist. Kaufe dir also lieber einen deutschen Krimi in einer englischen Übersetzung als einen Krimi eines englischen Autors.

Die zweite Möglichkeit ist die vereinfachte Lektüre, die es auf verschiedenen Stufen gibt. Diese Stufen richten sich nach dem Europäischen Referenzrahmen (A1/2, B1/2, C1/2), dadurch hast du bereits einen guten Anhaltspunkt, wie schwierig oder leicht ein Buch dann tatsächlich ist. Beachte dabei aber, dass die Einteilung oft sehr ambitioniert erfolgt: A2 oder B1 ist häufig schon fortgeschrittene Literatur.

Eine sehr gut sortierte Internetseite mit Lektüren in vielen Sprachen, sortiert nach diesen Niveaus, ist Lektüren.com

Die dritte Möglichkeit kennst du vielleicht noch aus der Schule: die klassischen Reclam-Heftchen. Diese gibt es auch als fremdsprachige Literatur, inzwischen ist das Angebot recht groß. Auf der Internetseite des Verlages findest du nähere Informationen.

3) Schlage nicht jedes Wort nach

Bist du normalerweise jemand, der bei jedem unbekannten Wort sofort zum Wörterbuch greift? Lass es bleiben.

Das Lesen macht überhaupt keinen Spaß, wenn du ständig im Lesefluss unterbrochen wirst.

Schlage entweder überhaupt keine Wörter nach oder nur die allerwichtigsten.

Solltest du wirklich große Probleme haben, der Handlung zu folgen, suche dir das nächste Mal ein Buch auf einem niedrigeren Sprachniveau aus. Lesen soll schließlich Spaß machen.

4) Folge dem roten Faden

Die Grundregel ist: Solange du dem roten Faden der Handlung folgen kannst, ist alles in Ordnung.

Falls du einmal den Anschluss verlierst, hast du drei Möglichkeiten (eigentlich vier: die vierte Möglichkeit ist, das Buch in die nächste Ecke zu werfen):

Du kannst weiterlesen und hoffen, den Faden wieder aufnehmen zu können.

Du kannst einige Wörter nachschlagen und so einige Zusammenhänge klären.

Du kannst aber auch, und das würde ich empfehlen, das letzte Kapitel einfach nochmal lesen.

5) Lese dich eine Zeitlang ein, bevor du entscheidest

Oft verwenden Autoren einen speziellen Wortschatz, so dass man sich erst einlesen muss.

Viele Sprachlerner nehmen ein Buch zur Hand, fangen an zu lesen – und hören nach 3 Seiten wieder auf: „Viel zu schwierig!“.

Ich glaube, dass man erst einmal mindestens 20 bis 30 Seiten lesen sollte, um entscheiden zu können, ob das Buch wirklich zu schwierig ist.

Dann nämlich fügen sich Handlungsstränge zusammen, man gewöhnt sich an das Vokabular des Autors und hat das Gefühl, einige Puzzleteile fallen an den richtigen Platz.

Oft hilft es auch, gerade die ersten zwei Kapitel zweimal hintereinander zu lesen.

Umgekehrt gilt natürlich auch: Sollte ein Buch wirklich (!!!) zu schwierig sein, dann suche dir ein anderes Buch aus.

6) Lies nur, was dich interessiert

Nur weil Bücher in einer Fremdsprache geschrieben sind, sind sie nicht automatisch interessanter …

Suche dir also unbedingt Bücher aus, die dich interessieren.

Nur weil alle das neue Buch des Autors XY toll finden, muss das noch lange nicht für dich gelten!

7) Lass deine Grammatikregeln in der Schublade

Lass dich nicht irritieren von unbekannten Strukturen. Lies einfach darüber hinweg – du liest doch nicht, um Grammatik zu studieren, sondern um mit Freude zu lesen, oder?

Oder analysierst du beim Lesen in deiner Muttersprache auch immer die Zeitformen und die Präpositionen?

8) Lies regelmäßig

Am Anfang ist es sicherlich mühselig, in der Fremdsprache zu lesen.

Fange also in kleinen Schritten an und arbeite dich langsam voran.

Der wichtigste Schritt ist aber: Fange einfach an und lies regelmäßig, am besten jeden Tag.

So behältst du den Überblick über die Handlung deines Buches und bleibst in der Sprache.

Es hilft nichts, nach einer Woche jedes Mal wieder von vorne beginnen zu müssen.

9) Wähle deine Lektüre nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht

Eine Möglichkeit ist, die Bücher nach dem Schwierigkeitsgrad auszuwählen, siehe Punkt 2.

Außerdem könntest du ein Buch wählen, das du in deiner Muttersprache schon gelesen hast – so kennst du schon den roten Faden der Handlung und kommst dir nicht so verloren vor.

Und wähle am Anfang nicht unbedingt gleich den Schinken mit 1100 Seiten.

10) Meide zweisprachige Lektüre

Auf den ersten Blick sind zweisprachige Lektüren eine sehr gute Idee.

Aber die Erfahrung zeigt, dass ein Sprachlerner sehr dazu neigt, sich zu schnell mit der muttersprachigen Seite zu befassen und sich nicht mehr zu bemühen, die fremdsprachige Seite zu verstehen. Es ist ja auch soooo praktisch, immer wieder nachschauen zu können!

Daher: Meide zweisprachige Lektüre, denn wenn du sowieso andauernd den muttersprachigen Teil liest, dann kannst du dir das Buch ebenso gleich in deiner Muttersprache kaufen.

11) Denke daran, dass du auch auf einem E-Book-Reader lesen kannst

Nicht immer ist das gedruckte Buch praktisch. Viele Lerner sagen zwar, dass sie am liebsten gedruckte Bücher in der Hand halten (ich mag das auch sehr gerne), aber dennoch plädiere ich dafür, speziell unterwegs auf einem Kindle, E-Book-Reader oder Tablet zu lesen.

Das hat verschiedene Vorteile – der Hauptvorteil ist aber, dass der Reader nicht viel Platz in der Tasche wegnimmt und deshalb überall mit hingenommen werden kann.

So kannst du, wenn du irgendwo warten musst, schnell mal ein paar Zeilen lesen.

Übrigens: Um Kindle-Bücher auf normalen Tablets lesen zu können, brauchst du nur die Kindle-App – eine genauere Erklärung gibt es in diesem Artikel.

12) Vernachlässige die anderen Sprachbereiche nicht

Auch wenn du noch so gerne liest: Kümmere dich auch um die anderen Bereiche.

Schreibe, höre und spreche die Sprache auch! Abwechslung macht das Lernen interessant.

Informationen dazu gibt es in diesem Artikel.


All diese Tipps beziehen sich auf das Lesen aus Freude am Lesen!

Solltest du aber „zu Lernzwecken“ lesen, dann solltest du eine andere Strategie verfolgen. Dazu gibt es aber in den nächsten Wochen einen gesonderten Artikel.

Und jetzt ab in die Buchhandlung oder die örtliche Bücherei! Viel Spaß beim Auswählen und Lesen!

Herzliche Grüße

Christine

8 Kommentare

  1. Ich muss mich nicht zu noch mehr motivieren, nein nein. Aber ich denke, viele Lerner merken erst „mittendrin“, wie viel Zeit und Kraft es kostet, eine Fremdsprache zu lernen. Und manchmal kann man sich mit „nur ein bisschen“ auch ausbremsen. Irgendwann hat man das Gefühl: komme ich überhaupt weiter, wenn ich jeden Tag nur ein bisschen übe?
    Grad beim Lernen mit Lehrbüchern hat man so das Gefühl, dass sich dank „zu“ freundlicher (also flacher) Progression so jegliches Lernen in die Länge zieht…
    Sicher, man kriegt von 2 Stunden Unterricht keinen Drehwurm wie von 2 Stunden aktivem Sprechen, aber manchmal ist das mein persönliches Tageshoch: auch wenn ich scheinbar nichts kapiert habe, die Hälfte der Wörter falsch angewendet habe (und sie morgen schon wieder vergessen habe), aber ich mag es, wenn man sehr viel lernt. (Und werde dafür manchmal auch schief angeguckt… [Stichwort goddamn overachievers…] [wobei ich mich nicht mal dazu zählen würde]

    • Ich denke, jeder muss selbst entscheiden, wie viel er lernen möchte. Lehrbücher verwende ich persönlich so gut wie nie. Ich lerne lieber in meinem eigenen Tempo, wobei ich aber auch zugeben muss, dass ich in keiner meiner Sprachen Anfänger bin und inzwischen sehr gut Originalmaterialien wie Zeitschriften, Podcasts, Hörbücher und ähnliches verwenden kann.
      Ich mag es auch gerne, viel zu lernen. Manchmal kann ich es kaum erwarten, weiterzumachen! So sind wir eben, wir Sprachennerds! 🙂

  2. Lies, hör und sprich.
    Gute Ideen, leider aber schwer umzusetzen. Und es braucht sehr viel Motivation!

  3. Super Beitrag 🙂
    Sowas möchte ich mir auch vom Hören anlesen 🙂

    • Hallo Lili,

      danke für deinen Kommentar und die Anregung. Den Artikel zu den Hörtexten habe ich mir gleich in den Redaktionsplan geschrieben.

      Liebe Grüße Christine

  4. Heiho!
    Noch ein Vorteil beim Lesen von eBooks auf dem Tablet mit Kindle-App ist die Wörterbuchfunktion! So fällt das Nachschlagen noch viel einfacher! Schon praktisch, son Teil.
    Schönen Gruß
    Marek

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