Jedes Jahr ist es das gleiche Problem: Die Sprachkurse enden, das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, der Sprachlehrer beschließt, den Heimaturlaub in Italien oder Südamerika zu verbringen, die englischen, französischen oder schwedischen Kollegen entschwinden in den Urlaub – und damit auch die sprachlichen Anwendungsmöglichkeiten für dich.

Nicht selten entschwindet zeitgleich die Motivation – der Satz, den ich im Herbst am häufigsten bei Kursbeginn höre, ist: „Eigentlich hätte ich ja … lernen müssen“.

Und das Problem hast du ja nicht nur nach den Sommerferien, sondern eigentlich das ganze Jahr über – selbst von einer Woche zur nächsten. Thema: „Eigentlich hätte ich ja … lernen müssen“.

Was also tun?

Eines vorneweg: „Müssen“ ist sowieso schon einmal das falsche Wort.

Wenn du das Gefühl hast, lernen zu „müssen“, dann solltest du deine Zielsetzung überdenken und neu definieren, was du eigentlich willst und warum du die Sprache lernst – für dich, um mit Freunden zu sprechen, um mit dem netten Kellner zu plaudern, um Rezepte aus französischen Kochbüchern nachzukochen, um diese tollen spanischen Krimis lesen zu können? Setze dich also hin und schreibe dir dein Ziel auf!

Wie das geht? Dafür habe ich drei Artikel für dich parat, in denen das alles ganz genau erklärt ist. Erstens einmal geht es darum, sein Ziel genau zu definieren – fließend sprechen ist nämlich keines -, anschließend wird mit Hilfe eines Lerntagebuchs und eines Lernplans dieses Ziel in Teilziele unterteilt und sozusagen häppchenweise aufgeschrieben. So verliert auch die große Aufgabe ihren Schrecken und deine Motivation bleibt sicher länger erhalten als wenn du einfach so vor dich hin lernst, ohne eigentlich zu wissen, was genau du willst. Und der dritte Artikel dreht sich dann um das Erstellen des Lernplanes selbst – du wirst staunen, wie schnell das geht! Außerdem sparst du durch den Lernplan in der Zukunft viel Zeit, weil du täglich sofort weißt, was du zu tun hast.

Aber du hast Urlaub? Das ist sogar für das Erstellen des Planes ein großer Vorteil: Du kannst dich in Ruhe hinsetzen und alles planen, außerdem kannst du testen, wie du mit den einzelnen Einheiten zurechtkommst. Vergiss aber nicht, gerade für die Urlaubszeit viele viele Einheiten einzuplanen, die sich nicht nach Lernen anfühlen! Heute und in den nächsten Wochen gibt es Vorschläge dafür – du wirst überrascht sein, welche Lernmöglichkeiten du um dich herum finden kannst!

Also – setze dich hin und erstelle deinen Plan.

Fertig? Wunderbar.

Dann gibt es jetzt heute erst einmal 10 Tipps, um ein bisschen Pep in dein Lernen zu bringen – es sind fast alles Tätigkeiten, die sich überhaupt nicht nach Lernen anfühlen (manche vielleicht ein bisschen …) und die du größtenteils wunderbar in dein tägliches Leben integrieren kannst. Suche dir für den Anfang einen Vorschlag aus, der dir gefällt und setze ihn um. Aufstocken kannst du immer noch. Die nächsten 10 Tipps gibt es im nächsten Artikel.

1) Koche nach Rezepten in deiner Lernsprache

Es gibt in jeder Sprache Rezeptportale, die du nutzen kannst.

Für Deutsch ist das beispielsweise Chefkoch, für Englisch kannst du Jamie Oliver ausprobieren unter Jamie Oliver , für französische Rezepte Marmiton (ein Tipp meines französischen Freundes Christophe), für italienische Rezepte La cucina italiana und für spanische Gerichte Recetas Natürlich ist das nur eine Auswahl.


2) Schreibe deine Einkaufsliste in deiner Lernsprache

Wenn du ein passendes Rezept gefunden hast, schreibe deine Einkaufsliste doch gleich in deiner Lernsprache – die Zutaten stehen doch sowieso im Rezept, dann kannst du die Mengen doch leicht ergänzen.

So hast du optimal dein Leben mit dem Lernen verbunden und anschließend auch noch gut gegessen!

Ein weiterer Tipp ist: Wenn du Sprachpartner im Ausland hast, dann frage sie doch einmal nach ihren Lieblingsrezepten. So kam ich an das Tortillarezept von Javiers Mama und an die Schokoladentorte meines italienischen Freundes Stefano.


3) Beschreibe Fotos

Ein alter Hut? Sicherlich – aber nur, wenn du normale Bilder aus Zeitschriften oder Büchern nimmst.

Hast du schon einmal versucht, deine eigenen Urlaubs- und sonstigen Fotos zu beschreiben?

Du hast sie schließlich selbst gemacht und hast sicherlich einige Geschichten dazu zu erzählen! Warum nicht einmal in deiner Lernsprache?

Wenn du diese Fotos als Bildschirmschoner auf deinem Computer einstellst, dann kannst du auch noch ganz gezieltes Sprechtraining damit machen. Stelle den Bildschirmschoner auf 30 Sekunden oder 1 Minute ein und beschreibe mündlich so lange das Foto, bis es wieder verschwindet. Mit dieser Übung wird sich dein mündlicher Ausdruck rasend schnell verbessern!


4) Sprich im Urlaub

Auch das ist ein alter Hut?

Viele Urlauber sprechen so gut wie überhaupt nicht! Sie gehen nur in den Supermarkt und in Restaurants, in denen der Kellner 20 Jahre in Köln gewohnt hat, bringen außer „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ kein Wort heraus und sagen sich: „Wenn ich die Sprache erst einmal richtig kann, dann rede ich schon noch“.

Besser ist es, gleich anzufangen – und zwar genau heute.

Nimm dir vor, heute drei (kurze) Unterhaltungen in deiner Lernsprache zu führen: mit einem Gemüseverkäufer auf dem Markt, mit dem Kellner, mit einem anderen Gast im Café, mit der Person vor dir an der Supermarktkasse.

Das müssen keine hochtrabenden Gespräche sein – ein oder zwei Sätze genügen schon. Du wirst sehen, dass du im Laufe der Zeit immer mehr die Sprachhemmung abbauen wirst und es dir jedes Mal leichter fällt zu sprechen.

Denke aber immer daran: Die Verkäufer und Busfahrer sind nicht deine Sprachlehrer. Wenn du mehr und regelmäßigen Kontakt zu Muttersprachlern haben möchtest, dann solltest du dir Freunde im Ausland suchen. Ganz einfach geht das über die Seite Italki. Dazu habe ich auch einen Artikel geschrieben und genau erklärt, wie das System funktioniert.


5) Melde dich endlich mal wieder bei deinen ausländischen Freunden

Du hast Freunde und Bekannte im Ausland?

Immer wieder sagst du dir: „ Eigentlich müsste ich mich mal wieder melden …“

Dann meldest du dich genau jetzt! Setze dich hin und schreibe eine kurze Mail, eine Postkarte, einen Brief oder ruf sie an. Es muss ja nicht gleich ein Roman dabei herauskommen.

Wenn du keine ausländischen Freunde hast, dann suche dir welche, beispielsweise über Italki (siehe Tipp 4) oder über My Language Exchange


6) Verreise (dann hast du im Sprachkurs auch etwas zu erzählen)

Der tollste Tipp überhaupt, finde ich!

Allerdings lässt das Budget es nicht immer zu (unseres zumindest nicht), wochenlang von Land zu Land zu reisen. Zwischendurch müssen wir auch einmal zu Hause bleiben – dann behilfst du dich mit Reisedokumentationen auf Youtube oder Arte. Wenn du dann in Urlaub bist, kannst du auch einmal in einem Geschäft wie FNAC (diese gibt es in vielen Ländern, ich kenne sie aus Italien, Spanien und Frankreich) nach Reisedokumentationen auf DVD schauen. Sicherlich findest du etwas Interessantes.

Besser als nichts ist das allemal.


7) Kaufe dir vor deinem Urlaub einen Reiseführer in deiner Lernsprache

Wenn du vorhast zu verreisen, dann stöbere einmal ein bisschen, welche Reiseführer es über dein Reiseziel gibt. Nein, nicht in deiner Muttersprache, sondern in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch …

Du wirst feststellen, dass in diesen Reiseführern ganz andere Reisetipps stehen und dass du also andere Einblicke in eine Stadt oder Gegend erhalten wirst. Sprachlich nutzt dir das auf jeden Fall. Auf diese Weise haben wir schon viele tolle Sehenswürdigkeiten und Restaurants in verschiedenen Ländern, Städten und Gegenden entdeckt.

Der angenehme Nebeneffekt? Da die meisten Touristen „nur“ die Reiseführer aus ihrem Heimatland besitzen, sind dann diese richtigen Geheimtipps nicht überlaufen und kosten häufig auch nur einen Bruchteil an Eintritt. Und du ersparst dir die 1000 anderen Deutschen oder Touristen deiner Nationalität. Du fährst doch bestimmt nicht in Urlaub, um alle 5 Minuten jemandem aus deinem Heimatort zu treffen, oder?


8) Kaufe dir einen Reiseführer in deiner Lernsprache – über deine Heimat

Vielleicht interessiert dich auch die Sicht der Anderen auf deine Heimat?

Dann kaufe dir doch einmal einen Reiseführer über deine Gegend oder Stadt in deiner Lernsprache!

Ich habe mir schon Reiseführer über Deutschland, über Bayern und über Bamberg in verschiedenen Sprachen gekauft und finde es sehr spannend nachzulesen, was Ausländer bei uns interessant finden.

Einen Bierführer über Bamberg gibt es übrigens ebenfalls in Englisch und nicht nur in Deutsch!


9) Hole dir bei der Touristeninformation Material in deiner Lernsprache

Zum vorherigen Tipp passt auch dieser hier: In vielen Städten und Gemeinden werden die Informationen für Urlauber mehrsprachig aufgelegt. Warum holst du dir diese Informationen nicht einmal in deiner Lernsprache?

Zugegeben, mit Schwedisch oder Indonesisch wird es schwierig werden, aber mit den „großen“ Fremdsprachen solltest du in den meisten Fällen Glück haben.

Und wenn du noch im Anfängerbereich lernst, dann nimmst du die deutsche Fassung als „Kontrollinstanz“ eben auch noch mit. Wer weiß, vielleicht entdeckst du ja in deiner Heimatstadt auch noch interessante Ecken?

Einen Vorteil hast du damit auf jeden Fall, wenn du deine Sprachpartner zu Besuch bei dir zu Hause hast. Dann kannst du ihnen nämlich das Material in ihrer Muttersprache vorab zuschicken und sie entscheiden lassen, was sie gerne anschauen möchten. Das mache ich immer so – und so freuen sich meine Sprachfreunde immer noch mehr auf den Aufenthalt, weil sie wissen, was sie erwartet.


10) Mache eine Stadtführung in deiner Lernsprache mit

Oft gibt es Audioguides zum Ausleihen – zumindest in Englisch und in Deutsch, oft aber auch in anderen Sprachen. Immer wieder werden in größeren Städten auch Stadtführungen in verschiedenen Sprachen angeboten – ein Besuch der Internetseiten der Städte lohnt sich bestimmt!

Warum solltest du dir die Schönheiten Nürnbergs oder Hamburgs nicht einmal in italienischer Sprache erklären lassen, warum nicht in Stuttgart mit englischer Untermalung herumspazieren, warum nicht Freiburg mit französischem Flair entdecken? Natürlich kannst du auch in Straßburg die französische Führung mitmachen, in Mailand den italienischen Erklärungen lauschen, in London am englischen Museumsrundgang teilnehmen …

Und keine Angst! Am Anfang wirst du dich vielleicht ein bisschen einhören müssen, aber mit der Zeit wird das immer besser!


Ich hoffe, es waren schon einige Vorschläge dabei – damit die Urlaubszeit auch eine Lernzeit für dich bleibt! Die Hauptsache ist, regelmäßig Kontakt mit der Sprache zu halten und Spaß dabei zu haben!