Lerntagebuch und Lernplan – die beiden Schlüssel zu deinem Lernerfolg

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Im Artikel „Mein Ziel beim Sprachenlernen? Fließend sprechen, was sonst!“ ging es darum, seine Ziele festzulegen. Heute soll direkt daran angeknüpft werden, denn um Ziele zu erreichen, sollten diese schriftlich festgehalten werden.

Jetzt aber brauchst du einen Schlachtplan. Genau hier setzen wir heute an. Ich erkläre dir, was ein Lerntagebuch ist und welche Grundsätze dafür gelten. Außerdem soll es um den Unterschied des Lerntagebuchs zum Lernplan gehen – und du wirst eine kleine Hausaufgabe bekommen, damit du dem perfekten Lernplan ein Stück näherkommst.

Im nächsten Teil der Artikelserie geht es dann um die genaue Erstellung des Lernplans und um die Verwendung von elektronischen Tools, mit denen das sehr einfach zu bewerkstelligen ist.

Zuerst einmal … der Vertrag mit dir selbst

Was hältst du davon, einen Vertrag mit dir selbst abzuschließen? Schreibe auf ein Blatt Papier, welches Ziel du hast, bis wann du es erreichen willst und was du dafür tun wirst. Unterschreibe den Vertrag, hänge ihn sichtbar auf und halte dich daran – denn dafür sind Verträge ja da!

Die Planung und die Organisation

Wie willst du dein Ziel erreichen? Auch hier ist es eine gute Idee, zumindest die ersten Monate die Lernetappen schriftlich festzuhalten. Diese richten sich natürlich nach deinen Zielen – und anfangen kannst du damit, dein großes Ziel in Teilziele aufzuteilen.

Teile also dein großes Ziel auf. Lege Monatsziele fest. Diese unterteilst du dann in Wochenziele. Wenn du eine noch genauere Aufteilung brauchst, splittest du die Wochenziele in Tagesziele auf. Wie weit du ins Detail planen möchtest, hängt von deiner Persönlichkeit ab. Am besten ist, du probierst verschiedene Varianten aus und bleibst bei der, die dir am besten gefällt und dich weiterbringt.

Der nächste Schritt geht noch weiter. Jetzt geht es darum, dein Lernen zu organisieren und zu ordnen. Schließlich willst du ja keine Zeit vergeuden, nur weil du nicht weißt, was genau du lernen sollst, oder weil du tage- oder wochenlang mangels Alternativen an einer einzigen Aufgabenart festhängst und vor Langeweile fast einschläfst. Schreibe dir also Pläne – das klingt erstens schlimmer als es tatsächlich ist und zweitens sparst du beim Lernen selbst die aufgewendete Zeit mehrfach wieder ein und gewinnst so Zeit für angenehme Tätigkeiten in deinem Leben!

Dafür hast du verschiedene Möglichkeiten: Das Lerntagebuch, den Lernplan und die Lernschrittliste. Heute kümmern wir uns um das Lerntagebuch und um die Einstiegsarbeiten des Lernplans. In einem weiteren Artikel der Serie stelle ich dir dann noch die Lernschrittliste vor.

Das Lerntagebuch

In einem Lerntagebuch findet alles Platz, was du im Hinblick auf dein Lernen dokumentieren möchtest. Du kannst Tabellen zeichnen – zum Beispiel mit den Wochentagen als Zeilen und bestimmten Begriffen wie „Zeitaufwand“, „Art der Aufgabe“, „Schwierigkeitsgrad“ als Spalten. So erhältst du pro Woche eine Tabelle, in die du deine wöchentlichen Ergebnisse eintragen kannst. Was hast du erledigt? Wie schwierig waren die Aufgaben für dich und wie lange hast du dafür gebraucht? So erhältst du im Laufe der Zeit eine großartige Lerndokumentation, die für Erfolgserlebnisse sorgt („Toll, so viel habe ich in der letzten Zeit geschafft!“) und die dir hilft, auf deinem Weg zu deinem Ziel zu bleiben.

Du kannst aber auch frei notieren, was dir zu deinen Lernsitzungen einfällt. Wie ging es dir an jenem Tag? Welche Gelegenheiten boten sich, deine Lernsprache anzuwenden? Hattest du Tandemgespräche über Skype – und falls ja, mit wem? Worüber habt ihr gesprochen? Welches Buch hast du gelesen, welche Radiosendung hast du gehört? Hast du vielleicht sogar im Kino einen fremdsprachigen Film angeschaut? Dann nichts wie rein damit ins Lerntagebuch!

Welche Grundsätze gelten für ein Lerntagebuch?

Ein Lerntagebuch ist einzig und allein deine Angelegenheit. Daher steht es dir vollkommen frei zu entscheiden, was du eintragen möchtest. Niemand hat das Recht, deine Einträge zu kommentieren, geschweige denn zu kritisieren oder zu verbessern. Nicht einmal lesen darf sie jemand ohne dein Einverständnis.

Die Regeln:

Du schreibst dein Lerntagebuch für dich selbst. Niemand korrigiert, kritisiert oder kommentiert. Dies gilt auch für Fehler, wenn du in deiner Lernsprache schreibst.

Dazu noch eine Anmerkung: Lerner haben oft ein Problem damit, Fehler zu schreiben und nicht korrigiert zu werden. Es stimmt schon, dass regelmäßige Korrekturen erfolgen sollten, aber eben nicht in deinem Lerntagebuch. Da dieses ganz alleine für dich bestimmt ist, haben fremde Augen (und erst recht keine Rotstifte) darin nichts zu suchen. Du wirst dennoch feststellen, dass die Fehler immer weniger werden, weil du durch die Schreibroutine von ganz alleine immer weniger Fehler machen wirst. Im Laufe der Zeit schließen sich sowohl Vokabel- als auch Grammatiklücken von selbst -und über Fehler, die du heute vielleicht noch machst, lachst du in zwei Monaten und fragst dich, wie du so einfache Strukturen falsch machen konntest.

Vertraue also dir selbst und versuche es – du wirst sehen, dass du damit Erfolg haben wirst.

Außerdem schreibst du wesentlich freier und ungehemmter, wenn du weißt, dass es sowieso niemand außer dir selbst lesen wird.

Teile ruhig deine Inhalte anderen Personen wie Lehrern, Mitlernern oder Coaches mit.

Fühle dich aber nicht verpflichtet dazu. Alles geschieht hier auf freiwilliger Basis.

Führe dein Lerntagebuch sehr regelmäßig. Du musst zwar nicht jedes Mal einen Roman schreiben, aber schreibe zumindest nach jeder Lerneinheit einige Zeilen.

Dabei kannst du deine Lernstrategie darlegen oder beurteilen, wie schwierig oder leicht eine Aufgabe war. Halte auch die Inhalte fest, die du erarbeitet hast. Du kannst aber auch allgemeine Dinge aufschreiben, beispielsweise: Mit welchen ausländischen Freunden hattest du Kontakt? Worüber habt ihr gesprochen? Woher kennst du sie? Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Sieh dein Lerntagebuch wie deinen persönlichen Trainingsplan an. Jeder Sportler hat so einen Plan, in dem alles notiert ist, was zum Erreichen des Zieles wichtig sein könnte.

Das Lerntagebuch soll dir also deine Stärken und Schwächen aufzeigen und dich auf dem richtigen Lernweg halten oder dich wieder dorthin zurückbringen, wenn du von deinem Weg ein bisschen abgekommen bist. Hauptsächlich soll es dich motivieren, dein Ziel zu erreichen!

Der Lernplan

Was ist der Unterschied zwischen einem Lerntagebuch und einem Lernplan?

Das Lerntagebuch nutzt du dazu, im Nachhinein die Einheiten zu dokumentieren, die schönen (und manchmal auch nicht so schönen) Abschnitte deines Sprachenlernens festzuhalten – um daraus deine Schlüsse zu ziehen und dein Lernen entsprechend anzupassen und um dich selbst zu motivieren.

Der Lernplan kommt zum Einsatz, wenn du mit Motivationsproblemen zu kämpfen hast und dazu neigst, Lerneinheiten öfters mal – aus welchen Gründen auch immer – ausfallen zu lassen oder zu „vergessen“. Dazu werden in einem Lernplan im Voraus feste Termine gesetzt, die dann wie berufliche oder private Termine einfach abgearbeitet werden.

Diese Termine sind unterschiedlich lang und beinhalten Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades. Das hat mehrere Gründe:

Du hast nicht jeden Tag gleich viel Zeit.

Wenn du aber täglich eine oder zwei Stunden Lernzeit einplanst, dann wirst du das an manchen Tagen gut schaffen, an anderen Tagen nicht, denn du hast ja auch noch andere Verpflichtungen. Plane also unterschiedlich lange Einheiten ein. Achte darauf, diese Einheiten leicht durchhalten zu können. Am besten planst du von Woche zu Woche, dann kannst du an Tagen mit wenig Zeit die kurzen Einheiten einplanen, an Tagen mit mehr Zeit die langen Einheiten. Das Lernen sollte zu dir und deinem Leben passen, nicht umgekehrt.

Du machst nicht jede Arbeit gleich gerne.

Also ist es nicht sinnvoll, ständig nur die Aktivitäten einzuplanen, die du gerne machst oder – andersherum – die du nicht gerne machst. Um aber den Überblick nicht zu verlieren, ist ein Lernplan durchaus sinnvoll.

Du beherrscht nicht jede Fähigkeit gleich gut.

Plane also die langen Einheiten mit Tätigkeiten, die du gerne machst und die du schon gut kannst. Das erhöht deine Motivation und du bleibst länger am Ball. Die kurzen Einheiten werden also für die „Hass-Aufgaben“ reserviert: 10 Minuten Ausspracheübungen sind nicht schlimm, eine Dreiviertelstunde aber schon. Also machst du nur 10 Minuten und widmest dich in der restlichen Zeit etwas Anderem, zum Beispiel dem Lesen oder dem Hören – eben etwas, was du besser kannst.

Du möchtest nicht jeden Tag das gleiche Programm abspulen.

Immer nur die gleichen Aufgabenarten bearbeiten ist auf die Dauer viel zu langweilig. Abwechslung ist hier also die Devise, denn Abwechslung beugt dieser Langeweile vor. Durch diese Abwechslung verhinderst du nämlich, dass du vor lauter Langeweile das Lernen aufgibst. Wenn etwas nämlich richtig interessant ist, dann bleibt man länger dabei.

Du hast gute und auch schlechte Tage.

An guten Tagen kannst du die Welt einreißen, an schlechten Tagen sind dir 10 Wörter in deiner Lernsprache schon zu viel? Keine Panik, das ist ganz normal. Für solche Tage gibt es im Lernplan eine Notfallliste oder ein Notfallprogramm, damit du zwar eine Kleinigkeit tun kannst, aber dich nicht großartig anstrengen musst. Natürlich sollte nicht jeder zweite Tag so ablaufen, aber du wirst damit dein Lernen ziemlich entlasten und vor allem dich selbst ziemlich vom Lerndruck befreien.

Du merkst schon, dass all diese einzelnen Punkte zusammengenommen nicht so einfach umzusetzen sind, wenn du den Überblick behalten möchtest. Daher ist ein Lernplan eine gute Idee. Dort kannst du eine Wochen- oder Monatsliste anlegen. Wie genau das geht, erfährst du im nächsten Artikel dieser Serie. Heute fängst du erst einmal mit einer kleinen Hausaufgabe an.

Wie fängst du an?

Du kannst dir zuerst eine Liste mit Tätigkeiten schreiben, die du erledigen möchtest. Schreibe dabei aber nicht einfach auf „30 Minuten Italienisch lernen“, sondern werde ganz spezifisch: „Artikel auf Seite 45 der Zeitschrift … lesen“ oder „Podcastfolge 23 des Podcasts … hören“. Stoppe für derartige Arbeiten auch immer wieder deine Zeit, so dass du nach einigen Wochen eine Liste mit mindestens 30 Tätigkeiten aus allen Bereichen mit den entsprechenden Zeitvorgaben vorliegen hast.

Wie geht es weiter?

Ordne diese Tätigkeiten mit den Zeitangaben den vier Fertigkeiten „Hören“, „Lesen“, „Schreiben“ und „Sprechen“ zu. In jedem Bereich solltest du nach Abschluss dieser Arbeit mindestens 5, besser noch 8 bis 10 Arbeiten aufgelistet haben.

Wirf aber deine ursprüngliche Liste nicht weg! Diese Liste kannst du nämlich als Notfallliste weiterverwenden. Wenn du einmal unmotiviert bist, nicht weißt, was du lernen sollst oder einfach zwischendurch einige Minuten Zeit hast, dann wirf einen Blick auf diese Liste! Sicherlich findest du eine passende Tätigkeit. So nutzt du auch kurze und unvorhergesehene Lernzeiten aus und musst nicht erst minutenlang überlegen, wofür du die Zeit nun nutzen könntest. Durch die große Auswahl an Möglichkeiten findest du bestimmt etwas Passendes!

Was du jetzt tun sollst – deine Hausaufgabe

Schreibe dir einige Tage lang auf, welche Tätigkeiten zum Erreichen deines sprachlichen Ziels notwendig sind. Um welche Bereiche solltest du dich kümmern? Welche genauen Aktivitäten fallen dir ein? Sammle viele viele Tätigkeiten, liste diese auf und stoppe beim Lernen immer wieder einmal die Zeit (keine Angst, es kommt nicht auf jede Minute an). Einige Anregungen gefällig?

Du kannst …

Podcasts hören

Hörbücher hören

mit Tandempartnern, Freunden oder Arbeitskollegen sprechen

ausländischen Freunden Mails schreiben

Bücher lesen

Zeitschriften lesen

Zeitungen lesen

Blogs lesen

Apps nutzen

Computerprogramme nutzen

Texte schreiben

Dialoge schreiben

zum Sprachenstammtisch gehen

Grammatikübungen bearbeiten

Shadowing-Übungen machen

Filme anschauen

Fernsehserien anschauen

Radio hören

Vokabeln lernen

Verbformen üben

Grammatikanalyse machen

dich an Internetdiskussionen beteiligen

in Facebook-Sprachgruppen kommentieren

Mind Maps schreiben

Kurzgeschichten schreiben

Gedichte schreiben

Vokabelfelder schreiben

Texte übersetzen

Sprachspiele spielen

War schon etwas dabei? Dann schreibe die Tätigkeiten auf und lege die Zeit fest, die du dafür aufwenden willst. Um die genaue Erstellung des Lernplans kümmern wir uns dann im nächsten Teil.

2 Kommentare

  1. Wow, liebe Christine, dieser Beitrag ist wirklich hammerstark! Ich habe schon öfters ein Lerntagebuch angefangen, wusste aber nie so recht, was ich da rein schreiben sollte – und wie. Jetzt habe ich nicht nur eine Anleitung für ein Lerntagebuch, sondern auch noch für einen Lernplan! Ich schreibe ja so gern mit der Hand in Notizbücher – aber alles Geschäftliche habe ich mittlerweile digital organisiert. Aber zum Sprachenlernen passt das hier richtig gut. Jetzt muss ich 1. etwas Zeit frei schaufeln (spätestens in der Woche vor Weihnachten wird es so weit sein) und dann an meinem Regal ungenutzter Notiz- und Skizzenbücher ein schönes passendes auswählen. Herzlichen Dank für den tollen Beitrag – der wird gleich in EverNote archiviert!
    Zauberhafte Grüße
    Birgit

    • Christine

      27/10/2016 at 22:59

      Hallo liebe Birgit,

      vielen vielen Dank für das Lob – das freut mich sehr! Die richtige Anleitung für den Lernplan bekommst du, wenn du die Hausaufgabe gemacht hast 🙂
      Es wird auf jeden Fall ein weiterer Artikel folgen, weil ja noch die genaue Lernplan-Anleitung fehlt. Und eine Lernschrittliste gibt es auch noch, darum möchte ich mich auch noch kümmern.

      Viele Grüße
      Christine

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