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Bisher sind zwei Teile unserer Interviewserie „Wie lernt man eine Sprache?“ erschienen. Heute gibt es hier und auf dem Blog Sprachheld.de von Gabriel die Antworten unserer 24 Experten auf die 3. Frage „Wie setzt du dir Ziele und wie sehen diese aus? Wie kannst du bei der Umsetzung von außen unterstützt werden?“

Die ersten 2 Fragen lauteten:

Was ist für dich die beste Methode?

Mit welchen Tools und Programmen arbeitest du?

 

Die Antworten unserer Experten aus dem Ausland in deren Originalsprache gibt es im Laufe der nächsten Tage auf meinem Blog. Den 4. Teil der Interviewserie gibt es in der ersten Februarwoche.

Genug der Vorrede – Vorhang auf für den Experten des Tages und die 3. Frage!

Experte des Tages: Olly Richards von „I will teach you a language“

Olly Richards ist ein Polyglott aus Großbritannien, der acht Sprachen spricht. Er schreibt auf seiner Webseite I Will Teach You A Language über das Sprachenlernen, hat einen beliebten gleichnamigen Podcast Link zu iTunes und bietet Sprachworkshops in der ganzen Welt an.


Die dritte Frage des Interviews lautet: Wie setzt du dir Ziele und wie sehen diese aus? Wie kannst du bei der Umsetzung von außen unterstützt werden?

Anna Gubanova (Sprachenthusiastin, sie beherrscht 6 Sprachen)

Ich habe nur ein Ziel beim Sprachenlernen: So schnell wie möglich anfangen zu sprechen. Und um dieses Ziel umzusetzen, suche ich jemanden, mit dem ich die Sprache üben kann.


Birgit Bauer (Betreiberin von zwei Bildungszentren, Bloggerin auf Bildungsraum)  

Ich setze mir ein großes Ziel, das ich verfolge und das mich motiviert. Zusätzlich plane ich kleine Etappenziele ein, auf die eine kleine Belohnung folgt. Zum Beispiel: Mein Ziel ist es, im Herbst 2016 Arabisch zu können bzw. konkreter (und realistischer) arabischen Konversationen folgen und mich auch (einfach) ausdrücken zu können. Denn – und das ist mein Motivationsgedanke – ich werde im Herbst 2016 eine Reise in den arabischen Raum leiten und möchte mich vor Ort mit den Menschen unterhalten können (und natürlich als blonde Frau beeindrucken ;-)).

Dieses große Ziel breche ich auf kleinere Etappenziele herunter, die ich in einer anfänglichen Lernplanung bestimme: Das kann der Abschluss einer Lektion, das Verstehen eines ersten Films, die Lektüre eines Kapitels u.v.m. sein. Für das Erreichen jedes kleinen Ziels gibt’s eine Belohnung, irgendeine Kleinigkeit, die ich mir dann gönne. Unterstützung von außen ist natürlich gerne gesehen – am besten durch gemeinsames Lernen (und Mutmachen bei Durchhängern), durch Zuspruch und durch Anerkennung.


Chiara Fortini (Sprachlehrerin)

Mögliche Ziele könnten sein:

1. Man kann sich dazu entschließen, eine Sprache zu lernen, um das Gehirn zu trainieren.

2. Um neue Freundschaften zu schließen

3. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben und nicht von der Welt ausgeschlossen zu sein (Heutzutage ist zum Beispiel Englisch unverzichtbar geworden. Viele englische Wörter sind in unsere Muttersprache übersetzt worden und sind jetzt Teil unserer Umgangssprache in vielen Bereichen von der Politik bis hin zur Wissenschaft)

4. Man möchte vielleicht eine Sprache lernen, um Touristen Informationen zu geben, die die eigene Heimat besuchen

5. Man möchte reisen

6. Man möchte ins Ausland gehen, um dort zu leben, zu studieren oder zu arbeiten

7. Man möchte eine besser bezahlte Arbeit haben


Christian Roth (Experte auf dem Gebiet “Zukunft des Lernens”) und Inhaber der Firma talkREAL.org

Sehr gute und wichtige Frage, die aber gar nicht so schnell zu beantworten ist. Ich habe einen „11-Punkte zum effektiven Sprachenlernen“ aufgestellt und dieser befasst sich hauptsächlich mit dem Thema „richtige Zielsetzung“.

Besonders wichtig finde ich, dass man sich erst einmal klar macht, warum man eine Sprache lernt und dass man dann auch Ziele definiert, die den eigenen Interessen entsprechen. Denn nur wenn wir mit für uns interessanten Inhalten lernen, werden wir auch langfristig durchhalten.


Daniel / Vanessa (Betreiber des Sprachlernblogs – dieser ist leider nicht mehr erreichbar)

Vanessa: Also ich achte darauf, dass meine Ziele realistisch bleiben und dass ich eine Sprache nicht einfach so lerne, sondern dass ich mir immer etwas dabei denke. Das kann natürlich sein, dass man eine Sprache für den Beruf braucht, oder man entwickelt eine Vorliebe für ein Land und die Sprache, man möchte eines Tages dorthin reisen/hinziehen oder ähnliches. Man kann sich gut mit der Kultur identifizieren oder bei manchen ist es so, dass sie in einem anderen Land Wurzeln haben und sich gerne mit der Familie in der Sprache unterhalten wollen. Beim Sprachen lernen ist es natürlich ganz wichtig, dass man unterstützt wird. Also wenn es erforderlich ist, dass man Vokabeln üben und abgefragt werden möchte, dann ist es immer gut, wenn jemand aus der Familie, aus der WG oder der Partner da mitmacht und diese Aufgabe dann übernimmt. Oder wenn andere persönlich die Vorliebe für die Länder und Sprachen teilen, dann bleibt auch die Motivation und das Ziel, eines Tages zusammen dorthin zu reisen, am Leben.


Francesca (Erasmus-Studentin) 

Zunächst ist mein Ziel, zum Niveau C1 zu kommen und danach, mich immer mehr zu verbessern. Die Organisation meiner Ziele richtet sich nach der Zeit, die ich nicht immer habe. Leider bin ich nicht sehr diszipliniert! Aus diesem Grund könnten Lehrer mich zum Lernen anhalten.


Giulia Novali (Sprachwissenschaftlerin für Deutsch und Englisch)

Meine Ziele waren bis vor kurzem schulischer Natur, ich wollte bestimmte Stufen des Europäischen Referenzrahmens (vom Niveau A1 bis zum höchsten Niveau C2) erreichen, inzwischen sind sie aber mehr beruflicher und persönlicher Natur. In der Universität können diese schulischen Ziele nützlich sein, aber eine Sprache muss im Laufe der Zeit auf dem Laufenden gehalten werden, und ich glaube, dass die Regelmäßigkeit und die Ausdauer nur von einem selbst abhängen.


Inge Elsner (Italienischlernerin)

Ich habe einfach den Traum, in dem Land meiner Lernsprache zu leben, und den träume ich einfach weiter. Am normalen Leben in Italien durch meine Sprachkenntnisse teilzunehmen, sei es nur ein kurzes Gespräch beim Einkaufen.


Jane Eggers (Übersetzerin für Englisch und Bloggerin auf Jane Eggers Translations)

Das ist schwierig. Ich lernte Französisch und Deutsch hauptsächlich in der Schule, so dass meine Hauptziele die Tests und Examen waren. Später, als ich nach Deutschland zog, motivierten mich meine Bedürfnisse: als ich eine Wohnung mieten wollte, musste ich wissen, wie man das macht. Mit Hindi und Italienisch, mit denen ich mich als Erwachsene beschäftigte, war es schwieriger, weil ich diese Sprachen nur zum Spaß lernte. Ich wollte sie lernen, aber ich hatte keinen Druck und brauchte sie nicht dringend.


Kilian Kempter, Sprachblogger auf Sprachcrashkurs.de , reist gerne 

Das Ziel ist keinmal die Sprache selbst. Ich will stattdessen lieber die besten Garküchen finden und neue Freunde gewinnen. Das ist meine Belohnung für den Aufwand und dafür brauche ich keine klar definierten Ziele.


Olly Richards, Sprachblogger auf I Will Teach You A Language

Ich lerne eine Sprache nur aus einem einzigen Grund: Ich möchte mit Muttersprachlern sprechen. Während ich lerne, denke ich an die Dinge, die mich glücklich machen würden oder auf die ich stolz wäre, wenn ich sie könnte, wie zum Beispiel eine 15-minütige Unterhaltung zu führen, die Nachrichten zu lesen, einem Taxifahrer zu erklären, wo ich hinmöchte, und ich arbeite sehr hart daran, diese speziellen Ziele zu erreichen, ohne von anderen Dingen abgelenkt zu werden.


Kirsty Major, Sprachbloggerin auf English with Kirsty und Englischlehrerin

Langfristige Ziele wie “in der Lage sein, einen Zeitungsartikel zu verstehen” oder “10 Minuten am Telefon sprechen können” oder “eine Präsentation in der Lernsprache halten” sind eine gute Idee. Jedoch denke ich, dass viele Menschen den Fehler machen, dass sie die kurzfristigen Ziele vergessen, also das, was sie jeden Tag oder jede Woche erreichen wollen.

Ich organisiere mein Leben mit Tabellen. Ich habe auch eine für mein Sprachtraining, wo ich Punkte erhalte, wenn ich Aktivitäten ausführe, die mir helfen, meine Ziele zu erreichen. Diese Punkte werden gegen die Aktivitäten gewichtet, die ich am wenigsten mag – in meinem Fall ist das das Sprechen -, um sicherzustellen, dass ich auch diese Aktivitäten nicht vergesse und nicht nur die Tätigkeiten erledige, die mir leichter fallen, wie beispielsweise das Lesen oder Hören.

Das klingt vermutlich komplizierter als es tatsächlich ist, aber auch wenn du dich auf diese Weise organisierst, ist es wichtig, messbare und erreichbare kurzfristige Ziele zu haben, um die größeren langfristigen Ziele erreichen zu können.

Was die Hilfe anderer Menschen betrifft – da bin ich ein großer Fan von Sprachpartnerschaften. Es ist nicht leicht, einen wirklich guten Sprachpartner zu finden und ich tendiere dazu, mit mehreren Partnern gleichzeitig zu arbeiten, so dass ich nicht zu abhängig von einer Person bin, falls diese keine Zeit haben sollte. Auf jeden Fall bringt die Interaktion mit anderen Menschen eine Lebendigkeit in das Lernen, das das Alleine-Lernen niemals schaffen kann.



Die zweite Hälfte der Experten findest du auf Sprachheld.de.

In den nächsten Tagen gibt es auch die englische bzw. italienische Originalfassung der Antworten von Claudia, Kirsty, Chiara, Guilherme, Giulia, Jane und Olly!

Herzliche Grüße

Christine

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