Interviewserie (9/10) Welchen Fehler gilt es beim Sprachenlernen unbedingt zu vermeiden?

 

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Hast du die ersten Folgen der Sprachlern-Serie von Sprachheld.de und von mir schon gelesen?

Die ersten 8 Fragen lauteten:

Was ist für dich die beste Methode?

Mit welchen Tools und Programmen arbeitest du?

Wie setzt du dir Ziele und wie sehen diese aus?

Welche täglichen Gewohnheiten hast du dir angeeignet?

Wie schaffst du es, neben einer Vielzahl von Beschäftigungen zu lernen?

Wie lange dauert es, bis man eine Fremdsprache sprechen kann?

Wie verbesserst du dein Hörverständnis?

Wie behältst du die Begeisterung am Lernen?

 

Hier kommt der neunte Teil, der heute auf die Frage antwortet:

Welchen Fehler gilt es unbedingt zu vermeiden?

Wie schon in den ersten acht Teilen antworten 12 Experten bei mir und 12 Experten auf Sprachheld.de. Den entsprechenden Artikel von Sprachheld.de findest du hier. Die Expertinnen des Tages sind bei mir Giulia Novali und Sabine.

Expertinnen des Tages: Giulia Novali und Sabine vom Blog   Sprachenlernenundso

Giulia:  Ich bin Giulia und meine Erfahrungen mit der deutschen Sprache haben schon begonnen, als ich noch ganz klein war, als ich noch kein einziges Wort wusste. Ich habe immer italienische Touristenorte besucht, darunter als erstes die Orte am wunderschönen Gardasee, und so ist es für mich unmöglich gewesen, mich nicht in die „großen mit heller Haut und einer so unverständlichen und gleichzeitig anziehenden Sprache“ würde ich in meinem Fall sagen Menschen zu verlieben, die den See so sehr lieben. So ist die Leidenschaft für die deutsche Sprache und Kultur in mir gewachsen. Der Faszination für eine Fremdsprache folgten dann Jahre des Lernens und der Arbeit, bis zum Diplom in Sprachwissenschaften und fremdsprachiger Literatur an der Università Cattolica del Sacro Cuore (erste Sprache: Deutsch, zweite Sprache: Englisch). Heute habe ich die Möglichkeit, mein Lernen fortzusetzen, meine Kenntnisse zu erweitern auch in der französischen Sprache und vor allem dank meiner Arbeit Kontakt zu haben mit Muttersprachlern. Ich glaube, dass man sich der Welt und den zahllosen Möglichkeiten öffnet, wenn man sich neuen Sprachen und Kulturen öffnet.

Sabine: Ich heiße Sabine und spreche sehr gut Englisch und recht gut Französisch. Im Moment versuche ich Russisch zu lernen. Auf meinem Blog veröffentliche ich dazu mein Lernjournal mit Links, Gedanken oder auch einfach nur mit neuen Vokabeln.


Die neunte Frage der Interviewserie lautet: Welchen Fehler gilt es unbedingt zu vermeiden?


Anna Gubanova, Sprachenthusiastin & beherrscht 6 Sprachen

Man darf nie Angst haben, die neue Sprache zu sprechen.


Birgit Bauer, Betreiberin von 2 Bildungszentren, Bloggerin auf Bildungsraum

Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, in der Anfangseuphorie die Erwartungen an den eigenen Lernfortschritt nicht zu hoch zu schrauben. Das führt unweigerlich zur Enttäuschung und damit zur Demotivierung und im schlimmsten Fall zur Aufgabe. Deine Planung und Zielsetzung sollten an deinen Alltag angepasst sein: Wie viel Zeit hast du tatsächlich pro Woche, um dich dem Sprachenlernen zu widmen? Was kannst du in dieser Zeit realistischerweise erreichen? Vergiss dabei auf keinen Fall, genügend Pausen für dich einzuplanen, um mit Spaß und Freude dabeizubleiben.


Chiara Fortini, Sprachlehrerin

Die Fehler, die es zu vermeiden gilt, wenn man anfängt, eine Fremdsprache zu lernen:

Wenn es das Lernen schwierig wird und die Ergebnisse sich nicht sofort einstellen, darf man sich nicht sofort entmutigen lassen, man muss Geduld und Ausdauer haben, wenn man ein Ziel erreichen will.

Man darf sich von der Vielfältigkeit der Sprache nicht erschrecken lassen, im Gegenteil: man sollte die Möglichkeiten der neuen Ausdrucksweisen zu schätzen wissen. Die Eigenarten einer Sprache sind sehr oft die Eigenarten der Bevölkerung.

Man darf keine Entschuldigungen finden dafür, dass man die Sprache, die man lernt, nicht anwendet. Man darf also nicht denken: Mein Niveau ist zu niedrig, ich mache zu viele Fehler, ich kenne keinen Muttersprachler.

Man darf mental nicht zu streng sein: wenn man etwas nicht weiß, dann darf man nicht aufhören zu sprechen, sondern muss versuchen, es mit anderen Worten auszudrücken.

Man darf nicht den Fehler begehen zu glauben, dass das, was man im Unterricht lernt, reicht. Es ist notwendig, den Unterrichtsstoff zu Hause noch einmal alleine durchzugehen, um zu sehen, ob alles klar ist, danach erst wird er wirklich verstanden.

Nur im Unterricht dem Lehrer zu folgen und Texte zu lesen genügt nicht, man muss die eigenen Interessen und Stärken nutzen, man muss neugierig bleiben und andere Lernquellen suchen wie beispielsweise Lieder, Filme, Zeitungen, Blogs usw.


Christian Roth, Experte auf dem Gebiet “Zukunft des Lernens” und Blogger auf talkREAL

Aufzuhören, sich mit der Sprache zu beschäftigen!

 


Daniel / Vanessa, Betreiber des Sprachenlernblogs (inaktiv)

Daniel: Puh, da gibt es eine ganze Menge Fehler, die man machen kann. Das geht von falschen Lernmethoden über unrealistische Ziele bis zum vorschnellen Aufgeben. Der größte Fehler beim Sprachen lernen aber ist, nicht zu sprechen. Für viele gilt die Meinung: „Bevor ich etwas Verkehrtes sage, sage ich lieber nichts.“ So funktioniert aber Sprachenlernen nicht. Lernen kann man am besten durch Fehler.

Ich denke auch, ein zu großes Ego verurteilt das Sprachenlernen zum Scheitern. Wenn man eine Fremdsprache lernt, dann wird man eine Menge Fehler machen. Was man sagt, wird sich für Muttersprachler komisch anhören und sie werden vielleicht lachen. Das muss man mit Humor nehmen und nicht persönlich. Außerdem sollte man nicht ständig Ausreden gegen das Lernen erfinden. Erfahrungsgemäß kann jede Ausrede entsprechend widerlegt werden, deswegen sollte man gar nicht erst damit anfangen.

Vanessa: Eine schlechte Aussprache beizubehalten ist ein Graus (auch für jeden native speaker). Wenn ich an meine alte Englischlehrerin denke, die uns beigebracht hat, das ,,th“ als ,,se“ auszusprechen… Das kann ich allen Lernen nur ans Herz legen: darauf zu achten, gleich die richtige Aussprache zu lernen.


Francesca, Erasmus-Studentin

Zwei Faktoren sind sehr wichtig: das Hörverständnis und das Sprechen, also würde ich sagen: „Niemals soll man einen der zwei Faktoren auslassen!“


Giulia Novali (Sprachwissenschaftlerin für Deutsch und Englisch)

Man kann viele Fehler beim Sprachenlernen machen. Einer ist, sich der Sprache nicht zu nähern, aus Angst, in einer noch unbekannten Welt anzukommen – und das blockiert uns schon bei der Abreise. Ein anderer Fehler ist, mit Begeisterung zu beginnen und bei den ersten Schwierigkeiten aufzuhören. Man sollte immer Opfer bringen und Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten haben!


Inge Elsner, Italienischlernerin

Sich zu große Ziele setzten und verbissen werden. Nicht ungeduldig werden, manche Dinge brauchen einfach Zeit zu wachsen.


Jane Eggers, Übersetzerin für Englisch und Bloggerin

Der größte Fehler ist zu denken, dass du die Sprache schon anwenden wirst, wenn du besser geworden sein wirst. Es ist nämlich genau anders herum: Du wirst nur lernen, wenn du dich die Sprache sofort anwendest und ausprobierst.


Kilian Kempter, Sprachblogger auf sprachcrashkurs.de und reist gerne

Der Hauptfehler ist für mich die verlorene Begeisterung. Sobald das Lernen zur „Qual“ wird, ist es wichtig schleunigst was daran zu ändern oder aufzuhören.


Kirsty Major, Sprachbloggerin auf English with Kirsty und Englischlehrerin

Ich glaube dass der sicherste Weg, dich selbst herunterzuziehen, ist, zu hart zu dir selbst zu sein. Ich bin ein Perfektionist und das bedeutet, dass ich jeden Satz perfekt haben möchte, bevor ich ihn sage oder schreibe. Ich sage meinen Schülern immer, dass sie das nicht so machen sollen, aber manchmal befolge ich meinen eigenen Ratschlag nicht. Jeder Lerner wird Fehler machen. Das ist Teil des Lernprozesses. Das Wichtige ist, daraus zu lernen.


Olly Richards, Sprachblogger auf I Will Teach You A Language

Dinge zu tun, die zu einfach sind. Es ist leicht, in „Spaß“-Aktivitäten wie Filmeschauen zu flüchten und Zeit mit muttersprachigen Freunden zu verbringen, die gewohnheitsmäßig immer Englisch mit einem sprechen. Allgemein gesagt lernt man nichts, wenn es einem keine Mühe bereitet.

 


Die Antworten unserer Experten aus dem Ausland in deren Originalsprache gibt es im Laufe der nächsten Tage auf meinem Blog. Den 10. Teil der Interviewserie gibt es in der ersten Augustwoche.

Brauchst du weitere Tipps? Dann wirf doch einen Blick in mein Buch!

Herzliche Grüße

Christine

 

5 Kommentare

  1. Ich finde die Antwort auf Frage 9 von Birgit sehr wichtig.

    Oft ist man anfangs so motiviert und will so schnell vorankommen, dass sich nach kurzer Zeit schnell Ernüchterung einstellt, weil man eine Sprache einfach nicht von heute auf morgen lernt!
    Man muss sich realistische Ziele setzen für die Zeit, die einem zum Lernen zur Verfügung steht.

    Viele Grüße

    • Hallo Verena,

      danke für deinen Kommentar. Mit deiner Einschätzung hast du vollkommen recht – als Ergänzung könnte man dann, wenn die Ernüchterung kommt, eine Liste mit angenehmen Beschäftigungen in der Fremdsprache bereithalten. So kommt die Motivation wieder zurück und die Ernüchterung verschwindet wieder.

      Viele Grüße
      Christine

  2. Noch ein Fehler: Lange und ausgiebig Blogs lesen, die sich mit Sprachen lernen befassen 😉

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