Wie du mit Facebook und Co. eine Sprache lernen kannst

Geht es dir auch so? Du verbringst täglich wesentlich mehr Zeit in den sozialen Netzwerken als dir lieb ist und ärgerst dich hinterher, dass du diese Zeit nicht sinnvoll genutzt hast? Siehst du die sozialen Netzwerke als Feind an und verteufelst sie als Zeitfresser?

Ich finde, da tust du den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Youtube unrecht. Es ist schon richtig, dass du auf Facebook, Twitter und auch Youtube sehr viel Zeit verschwenden kannst, wenn du nur sinnfreie Witzvideos anschaust, kryptische Tweets liest und dich von einem zum nächsten lustigen, aber nicht produktiven Eintrag klickst. Allerdings sind diese Portale auch eine großartige Möglichkeit, deine Sprachkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Wie soll ich denn mit den sozialen Netzwerken Sprachen lernen?

Nachfolgend habe ich dir einige Möglichkeiten zusammengestellt, wie du die sozialen Netzwerke für deine Sprachen nutzen kannst.

1) Folge Twitter-Accounts in deiner Lernsprache

Es gibt unzählige Twitter-Accounts. Sobald du angefangen hast, bestimmten Menschen oder Institutionen zu folgen, werden dir von Twitter weitere thematisch passende Vorschläge angezeigt.

So kannst du dein Netzwerk immer weiter ausbauen und den Personen und Institutionen folgen, die dich interessieren. Zudem stellen Sprachblogs üblicherweise ihre Artikellinks bei Twitter ein, so dass du ganz leicht über die neuen Inhalte auf dem Laufenden bleiben kannst. Du klickst dann auf den Link – falls dich die Themeninformation interessiert – und wirst direkt auf den entsprechenden Artikel geleitet.

Du kannst auch den Tageszeitungen der jeweiligen Länder folgen, dann wirst du mit den aktuellen Nachrichten versorgt. Natürlich kannst du dich auch auf bestimmte Teilbereiche wie Kultur, Sport oder Politik beschränken – das hängt ganz von deinen Vorlieben und Interessen ab.

Mein Zusatztipp: Wenn du mehrere Sprachen lernst oder das Sprachenlernen von deinen anderen Interessen trennen möchtest, kannst du bei Twitter Listen anlegen. Diese Listen kannst du dann mit Inhalten bestücken, die nur den Themenbereich der jeweiligen Liste betreffen. So wird dir nicht alles durcheinander angezeigt und du wirst außerdem beim Sprachenlernen nicht durch andere Inhalte abgelenkt.

Mein zweiter Zusatztipp: „Unfollow“ konsequent die Kanäle, die dich nicht mehr interessieren. So stellst du sicher, dass du nur Inhalte vorfindest, die dich wirklich interessieren und für die du wirklich eine Verwendung hast.

 

2) Sieh dir Sprachvideos auf YouTube an

Du weißt sicherlich, dass YouTube eine riesige Quelle von Videos ist.

Weißt du aber auch, dass du auf YouTube Tausende und Abertausende von Lehr- und Lernvideos in allen erdenklichen Sprachen, zum Beispiel von der Deutschen Welle oder von Deutsch mit Marija in Deutsch, findest?

Häufig sind das Blogger und Podcaster, die ihre Lerninhalte zusätzlich noch als Video veröffentlichen – so kannst du die unterschiedlichen Lernkanäle wie Lesen und Hören auch noch mit dem Sehen kombinieren.

Du wirst staunen, wie viele Videos es gibt! Du kannst nicht nur Grammatikinhalte noch einmal wiederholen, dir Themenwortschatz erklären lassen oder dir Redemittel übersetzen lassen, sondern auch Videos zu interessanten Themen einfach in deiner Lernsprache anschauen. Warum nicht einmal ein Video über die Schönheiten von Sizilien oder die kleinen Dörfer in der Provence? Warum nicht einmal eine Kochsendung, eine Ratesendung oder eine Geschichtsdokumentation? Auch Interviews findest du auf YouTube reichlich – gib einfach in der Suchleiste den Namen deines Lieblingsschauspielers oder Opernsängers ein, und du wirst bestimmt fündig werden.

Mein Zusatztipp: Im Prinzip gilt genau das, was ich schon bei Twitter gesagt habe: Abonniere die Kanäle, die dich wirklich interessieren, aber bestelle auch die Kanäle wieder ab, die du nie anschaust. Sonst hast du im Laufe der Zeit 300 Abonnements, die dich zwar kein Geld kosten, aber dennoch dafür sorgen, dass du ein schlechtes Gewissen bekommst. Du wirst nämlich niemals alle Videos anschauen. Außerdem kannst du jederzeit die Kanäle wieder abonnieren, wenn du merkst, dass sie dir fehlen.

 

3) Nimm an einer Sprachchallenge teil

 Was ist das? Eine Sprachchallenge kann beispielsweise sein, eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden in der Lernsprache per Internet zu nehmen. Du kannst auch 90 Tage lang täglich 15 Minuten lang mit einem Muttersprachler sprechen – über das Internet ist es heutzutage recht einfach, jemanden zu finden, der ein derartiges Vorhaben mit dir durchzieht.

Das Portal Italki schreibt in regelmäßigen Abständen Challenges solcher Art aus – beteilige dich doch einfach einmal daran! Du wirst sehen, dass dir das einen großen Motivationsschub verleihen wird!

Mein Zusatztipp: Sprachchallenges kannst du auch mit deinen Sprachpartnern veranstalten. Ich habe zum Beispiel immer wieder eine mit Jonathan, meinem französischen Sprachfreund. Er liest mir momentan jeden Tag ein Kapitel aus dem Karambolage-Buch von Arte vor – in Französisch – und ich höre mir das jeden Tag an. Dafür schreibt Jonathan fast jeden Tag einen deutschen Text, den ich dann korrigiere. Dass wir mehrmals pro Woche sprechen, immer die Hälfte der Zeit in Deutsch und die andere Hälfte in Französisch, kommt noch dazu. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, zum Beispiel gegenseitig Zeitungsartikel vorlesen (als Sprachaufnahme über den Computer oder über WhatsApp). Das mache ich zum Beispiel mit Marie-France, einer anderen Sprachfreundin aus Frankreich. Momentan beschäftigen wir uns „zeitungsmäßig“ mit dem Thema Yoga.

 

4) Nutze Pinterest

Pinterest bietet dir eine riesengroße Zahl an Vokabelkarten, Sprichwörtern, Verbkonjugationslisten und vielem mehr – du musst nur einen für deine Sprache passenden Suchbegriff eingeben.

Pinterest hat den großen Vorteil, dass es für die visuellen Lerntypen – und das sind die meisten Lerner – sehr gut geeignet ist, weil es reich bebildert ist.

Wenn du möchtest, kannst du auch selbst eine eigene Pinterest-Auflistung erstellen und dir somit dein eigenes Vokabular nach Maß zusammenstellen.

 

 5) Stelle deine Spracheinstellungen auf deine Lernsprache um

Stelle doch Facebook, iTunes, dein E-Mail-Konto oder die Startseite deines Browsers auf deine Lernsprache um. Natürlich kannst du das auch mit deinem Smartphone machen – du wirst staunen, wie viele Vokabeln du auf diese Weise nebenher lernen und behalten wirst!

Falls du mehrere Sprachen lernst, wechselst du die Einstell-Sprache alle paar Tage.

Bei iTunes hast du noch den Vorteil, dass dir nach der Umstellung auf deine Lernsprache bzw. auf das entsprechende Land auch Vorschläge für Podcasts und Musik aus diesem Land angezeigt werden. So kannst du die ein oder andere interessante Podcast- oder Musikentdeckung machen.

Mein Zusatztipp: Podcasts sind sowieso eine hervorragende Möglichkeit zum Sprachenlernen. Wenn du nicht weißt, welche Podcasts in deiner Lernsprache für dich geeignet sind, frage einmal andere Lerner oder deine Sprachfreunde, Vor allem von Vicente, meinem spanischen Sprachfreund, habe ich schon ganz tolle Tipps bekommen – und er von mir.

6) Nutze Facebook

Wie wäre es denn, wenn du immer wieder Seiten likst, die dir gefallen und – ganz wichtig! – die in deiner Lernsprache abgefasst sind?

Du kannst spezielle Lernseiten suchen, du kannst allerdings auch Themen suchen, die dich interessieren. Läufst du gerne? Dann suche dir die französische Seite der Runner’s World. Verreist du gerne? Dann abonniere Rick Steves – bei ihm bekommst du auch noch sehr viele Videos zu sehen, und alles in englischer Sprache. Du kochst gerne? Dann suche dir eine italienische Kochzeitung wie Sale & Pepe und lasse dich von italienischen Rezepten für dein Mittagessen inspirieren.

Außerdem kannst du bei Facebook auch in Sprachgruppen eintreten. Dort gibt es Sprachlerner und Sprachlehrer – und es wird nur in der entsprechenden Lernsprache kommuniziert.

Du solltest aber bei beiden Möglichkeiten nicht nur passiv mitlesen, sondern auch kommentieren, denn so lernst du die Anwendung der Sprache. Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob du einen Fehler machst! Vergiss auch nicht, die Kommentare der anderen Leser zu lesen, so lernst du viele umgangssprachliche Redewendungen und kannst dir sogar Sprachpartner suchen, wenn dir jemand sympathisch ist.

Mein Zusatztipp: Baue dir über Facebook auch ein kleines Netzwerk von Sprachlernern auf, am besten von Lernern, die deine Lernsprache als Muttersprache sprechen und deine Muttersprache lernen. So hast du immer die Möglichkeit, mit jemandem zu kommunizieren. Und wenn ihr dann noch in denselben Lern- und Sprachgruppen unterwegs seid – umso besser!

Mein zweiter Zusatztipp: Facebook wird meiner Meinung viel zu sehr als Spaß- und Gute-Laune-Portal angesehen. Wenn man das Portal richtig nutzt, kann es sehr nützlich und wertvoll auch in beruflicher und sprachlicher Hinsicht sein. Und übrigens: Lustige Tiervideos und Katzenbilder schaue ich mir nicht an.

 

Was du jetzt tun solltest

Probiere einen der sechs Vorschläge aus! Ist er genau das Richtige für dich? Dann bleibe dabei und beschäftige dich jeden Tag ein kleines bisschen mit deiner Sprache!

 

Was du jetzt nicht mehr tun solltest

Eines solltest du ab sofort nicht mehr tun: Facebook und Co. verteufeln. Es sind nämlich, genauso wie alle anderen Quellen, ganz ausgezeichnete Möglichkeiten, eine Sprache anzuwenden – wenn du dich auf die Sprache fokussierst.

 

Ein letzter Tipp noch

Wenn du Probleme hast, speziell bei Facebook dein Sprachenlernen und deine privaten Tätigkeiten zu trennen, dann lege dir doch eine „Sprachenseite“ an. Dort findet nur dieser sprachliche Inhalt Zugang. So wirst du nicht von deinen anderen Inhalten abgelenkt – alles zu seiner Zeit.

Und wenn du eine Zeitlang fleißig in Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch gelesen, kommentiert und gelernt hast, dann spricht auch überhaupt nichts dagegen, wenn du auf deinem privaten Profil die Witzeseiten und die anderen Inhalte liest und dich darüber amüsierst.

Viel Spaß beim sozialen Lernen!

9 Kommentare

  1. folie

    So wünsche ich mir einen informativen Beitrag! Sehr schön beschrieben, hilft mir bestimmt in Zukunft besser Englisch zu lernen. Danke.

    Lg Mona

  2. Birgit Schultz

    Hallo Christine,
    ich bin ganz Deiner Meinung und habe vor einiger Zeit ja einen ähnlichen Artikel in Bezug auf Marketing geschrieben. Es ist wie immer im Leben: Wer nur gedankenlos konsumiert, wird seine Zeit verschwenden und es auch so empfinden. Wer die Möglichkeiten aktiv für seine Ziele nutzt, wird sich freuen, zwei oder mehr Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Wird abgespeichert und umgesetzt!

    Zauberhafte Grüße
    Birgit

    • Christine

      Hallo Birgit,

      da hast du recht – so viele Menschen verbinden mit den Medien nur „gedankenloses Konsumieren“ und vergessen dabei die vielen Vorteile! Den Beitrag bei dir werde ich mal suchen und lesen.

      Viele Grüße
      Christine

  3. Ricardo

    Hey,

    es ist lange her, dass ich ein Kommentar hinterlassen habe. Noch mal hast du einen tollen Artikel geschrieben.

    Ich nutze auf verschiedenen Weise die Sozialen Netzwerken und habe es seit lange so gemacht. Ich muss sagen, dass es sehr hilfreich ist, wenn man die richtig nutzt. Wie du gesagt hast und ich stimme dir voll zu, man kann leicht seinen Weg nicht finden und davon nur Müll bekommen.

    Bis zum nächsten Mal.

    • Christine

      Hallo Ricardo,

      das ist toll, dass du wieder einen Kommentar geschrieben hast, vielen Dank dafür! Und ich hoffe sehr, dass du irgendwann mal nach Deutschland kommst und wir uns mal kennenlernen.

      Viele Grüße
      Christine

      • Ricardo

        Aber natürlich werden wir uns mal treffen. Dann können wir zusammen Portugiesisch und Deutsch üben.!

        +)

        • Christine

          Das machen wir! Dein Deutsch ist aber wesentlich besser als mein Portugiesisch. 🙂

  4. GiveMeFluency

    Thanks Christine! This is an excellent post, explaining very handy tips to help us make the most of our time in our endeavor to learn languages. -Sam

    • chkonstantinidis

      Thanks Sam! It’s great to have your opinion. I really appreciate it. Take care Christine

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